| Bericht 112: Der Abnorme |
![]() Nachdem ich heuer schon im Heimatrevier einen Knopfhirschen erlegen konnte und im Deutschland einen Achter (Die Erzählung hierfür ist noch ausständig), ergab es sich, ein drittes Mal auf Rotwild zu weidwerken. Wieder sollte es ein III-er sein. Das Hirschfieber hat mich wohl erfasst. Zwei Stunden brauche ich ins Revier in Österreich zu fahren. Ich bin normalerweise kein Drückeberger beim Feiern, aber aus Zeitgründen habe ich mir für die Jagd jeweils nur einen Tag eingeplant und abends wieder heimwärts zu gondeln. Der erste Jagdtag bot mir wunderschönen Rotwild-Anblick. Nur war das passende nicht dabei. Gestern ging es wieder los. Um 3 Uhr morgens rasselte der Wecker - naja das war einmal. Das Ticken des, per Hand aufgezogenen, Weckers ist lange schon nicht mehr zu hören, stattdessen leuchtet mir von der Decke die jeweilige Uhrzeit entgegen, wenn ich im Dunkeln die Augen öffne. Und das Rasseln ist ein Pieps, dass, wenn man nicht brav aufsteht, zu einem penetranten Gepiepse ausartet!
So nun aber zur Jagd. Vom neuzeitlichen Wecker zum Neuzeitlichen Auto. Wie meistens habe ich (außer meiner Rosi) alles schon im Auto. Also Die Waffe und den Hund ins Auto und los geht’s. Eine Stunde und schon bin ich im schönsten Schneegestöber, aber neuzeitlicher Allrad lässt mich auch diese Hürde elegant meistern. Überpünktlich warte ich auf meinen Jagdführer. Wie immer ist er auch pünktlich und wir starten zum Ansitz. Durch knöcheltiefen Schnee marschieren wir zu einem Bodensitz der uns Ausblick auf einen Schlag bietet, der gern vom bergwärts ziehenden Rotwild zu einem Imbiss verleitet. Bald entdecke ich noch im halbdunkeln ein Stück und erkenne bald zwei Spieße. Alleine zieht er durch den Schlag noch die eine oder andere Köstlichkeit mitnehmend. Kein zusätzliches Stück zeigt sich und so ziehen wir bald ab, um am Forstweg entlang zu pirschen. Auch die gegenüberliegende Seite wird abgeglast und bald entdeckt mein Begleiter ein Stück, das auch passen müsste. Schnell zurück ins Auto und im, Eilschritt ab ins Tal und dort auf die andere Seite – naja mit Eilgummi wohl mehr, aber was solls – schnell muss es gehen. Wir können nicht näher an die Hirsche heran, da wir sie sonst nicht mehr gesehen hätten, außerdem waren sie schon am einziehen in den Bestand. Mittlerweile waren es deren drei. Und alle drei täten passen. Mein Begleiter misst die Distanz und flüstert: 340 Meter!
Man sieht die Hirsche, da die Bäume keine Nadeln mehr tragen, aber sie sind für einen sicheren Schuss doch zu verdeckt. Es dauert zwar nur ein paar Sekunden bis der richtige frei steht, aber es sind laaange Sekunden. Er zeigt zwar nur das Blatt frei, aber genau da muss ich ja hin schießen. Wir verständigen uns kurz, um sicherzugehen, dass er auch den richtigen beobachtet. Schon berühre ich den Abzug. Diesmal gar nicht so laut wie sonst, schickt meine Rosmarie das tödliche Geschoss auf die steile Reise. Auf 300 Meter habe ich eingestellt. So sollte der Hirsch die Kugel auf die richtige Stelle platziert bekommen. Der Hirsch zeichnet herrlich - tief nach vorne bricht er weg und kommt schon nach wenigen Metern ins Taumeln. Schnee wird aufgewirbelt, Läufe , Geweih, Hirsch und Schnee wirbeln durcheinander. Nur kurz währt die Talfahrt und eine kleine Lärche hält meinen Hirschen auf. Schon nachgeladen habe ich das kurze Rutschen verfolgt. Die beiden anderen Hirsche verfolgen die Rutschpartie mit sichtlichem Interesse. Es wäre ein leichtes auch von diesen beiden einen zu strecken. Vom Erlegten sieht man mittlerweile nur mehr ein Stangenende. Aber diese ist ohne Bewegung. Der Hirsch liegt! Nun kommt noch ein vierter Hirsch dazu - auch ein Passender. Er äugt zum Erlegten. Er steht vielleicht 2 Meter daneben und fängt dort an zu Äsen. Die Störung war also nicht gravierend. Auch diesen Hirschen beobachte ich durchs Absehen, bis auch er sich verabschiedet. Nun machen wir uns an den Aufstieg um den Hirschen zu bergen. Als ich zu meinem Hirschen herantrete, ist die Freude besonders groß: Es ist ein [u]Abnormer [/u]- ein Rosenstockbruch auf der rechten Seite hat die Stange abnorm wachsen lassen - So wie ein geknickter Baum auf Umwegen dann doch wieder Sonnen-wärts wächst, hat es auch die Stange des Hirschen gemacht. Die Bergung ist ein leichtes Unterfangen, zumal ca. 20 cm Schnee liegen. Der Hirsch rutscht leicht. Er ist nur zwischen Felsblöcken und Bäumen zu manövrieren. Bald haben wir die Beute im Tal. Wo schon der Bauer mit selbstgemachtem Vogelbeerschnaps wartet - Ideal zum Frühstücken. Aber er schmeckt. Bis ich zu Hause bin wird es zwar dunkel, immerhin kann ich den erbeuten Hirschen meinen Freunden ja nicht vorenthalten. Weidmannsheil
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