Bericht 98: Der Gorilla Hirsch 
Endlich Sonntag der 11 Sept. 2010 16.30 Uhr!
Die langersehnte Walliser Patent  Hochjagd konnte beginnen.
Den Rucksack bepackt mit Proviant für 2 Tage, die Jagdbüchse geschultert stieg ich gemütlichen Schrittes den schmalen  Wanderweg hoch.
Anfangs recht steil, jedoch mit angenehmer Steigung wechselte der Wald von Legföhren in normalen Tannenwald ab. Um dann in ein gemütliches Zwischenstück zu wechseln, dass den Beinen vom ersten doch strengen Aufstieg ein wenig Erholung gönnte. Hier hatte ich schon oft Anblick von Rotwild, dementsprechend versuchte ich lautlos zu pirschen, konnte jedoch nichts erspähen.
Nach einem weiteren kurvenreichen Aufstieg hatte ich endlich die Anhöhe erreicht, ab jetzt würde es leicht schräg nach Unten gehen, wo ich meinen Posten sowie mein Zelt stehen hatte.
Bevor ich den letzten Abschnitt, unter die Füsse nahm gönnte ich mir eine kurze Verschnaufpause, die Lasst hatte es in sich, meine Oberschenkel erholten sich aber schnell.
10 Minuten Später stand ich vor meinem Zelt, nachdem ich meine verschwitzte Unterwäsche gewechselt hatte, ging ich mit meinem Glas ausgerüstet in den 70 m entfernten Posten.
Hatte jedoch in der verbleibenden Stunde bis es langsam zu dämmern begann kein Anblick.
Ein ziemlich starker Wind war aufgekommen und die ersten angekündigten Regentropfen peitschten mir ins Gesicht, also flüchtete ich in mein Zelt zurück.
Durch den Lärchenwald geschützt war es hier praktisch Windstill. Die Temperatur war angenehm, so dass ich vor dem Zelt meinen Aser machen konnte.
Waren wir noch gemeinsam bei Jagdfreund Toni am Mittagstisch, begann für mich die eigentliche Jagd jetzt hier Oben auf 1850 m über Meer, das Bergdorf erleuchtete langsam, immer mehr lichter gingen an, nur noch vereinzelt vernahm ich das brummen der Vierzigtonner, die den Pass hoch schnauften.
Ruhe, abschalten von der Arbeit, die ich ja gerne ausführte, jedoch vor den Ferien halt immer doppelt streng, musste ja noch Dies und Das erledigt werden, ja und mit den Gedanken bereits auf der Jagd.
Toni kam mir in den Sinn, er hatte es sicher nicht so windstill wie ich hier, also rief ich ihn kurz an. Er sei in sein Zelt geflüchtet, bei ihm regne es recht stark meinte er. Nach gegenseitigem  Gutenachtwunsch verzog ich mich ebenfalls in mein Zelt.
Sicherheitshalber stellte ich meinen Wecker auf 06.00 Uhr war mir aber sicher schon vorher wach zu sein, aber man kann ja nie Wissen, sicher ist sicher dachte ich.
Erstmals erwachte ich um 03.30 Uhr, ich hatte zu heiß an den Füssen, nachdem ich den Reisverschluss vom Schlafsack unten geöffnet hatte schlief ich wohl gleich wieder ein.
Irgendwann weckte mich der Knall meiner Büchse, ein guter Traum dachte ich und lachte, der Hirsch lag im Feuer, wieder schlief ich ein.
Schon bevor der Wecker losgehen konnte war ich jedoch wach, steckte meine Hose zu mir in den Schlafsack um sie einwenig aufzuwärmen. Vorsichtig und langsam öffnete ich die Reisverschlüsse vom Zelt. Bei Büchsenlicht wollte ich durch dieses Geräusch kein Wild vergrämen, vernahm auch jetzt kein abspringendes Wild.
Um 07.00 Uhr verlies ich dann das Zelt um auf den nahen Posten zu gehen.
Bereits um 06.25 verhallten die ersten Schüsse, bei mir ließ sich kein Wild erblicken. Immer wieder suchte ich ohne Fernglas die Gegend unter mir nach Wild ab, um dann mit dem Glas festzustellen das es wieder nur ein vertrockneter Stamm war.
Gegen 8.30 Uhr wurde ein richtiges Feuerwerk eröffnet, einige Schüsse hörten sich recht nahe an, ich hatte meinen Blaser bereit, jedoch vergebens.
Gegen 10.00 Uhr hielt es mich nicht mehr auf dem Posten, denn das Rotwild war sicher schon zurück in den Tageseinständen, jetzt wollte ich den Gamsbock den ich seit Wochen beobachtet hatte. Um an den Bock zu kommen musste ich hinunter zum schlafenden Gorilla  (wie ich den Fells nenne).
Beim Gorilla angekommen pirschte ich so leise wie möglich, den kleinen Gegenhang hoch, nach zwei Stunden Ansitz schwand ebenfalls diese Hoffnung, dass der Bock um diese Zeit noch hier sein Revier markiert.
Ich entschloss mich wieder zum Affen zu gehen, um auf die andere Seite des Wäldchens zu pirschen. Gegen 16.00 Uhr hallte ein Schuss von der andern Talseite, da hat Toni geschossen dachte ich, lies kurze Zeit verstreichen um dann über Handy nachzufragen. Er habe einen Hirsch erlegen können bestätigte er mir. Mit einem Waidmannsheil beendeten wir das Gespräch. So verging die Zeit, um 18.30 Uhr dachte ich wenn der Bursche sich in der nächsten halben Stunde nicht blicken lässt, wieder hinauf auf meinen Posten zu gehen. Die Zeit war um, da vibrierte mein Handy in der Hosentasche, Toni fragte mich ob ich schlafe, 150m unter mir wechsle ein Rotwild durch, mir war sofort klar wo sich das Rotwild aufhielt. Ich lies den Rucksack liegen und pirschte unter dem Gorilla durch das schmale Waldband um auf den Gegenhang zu gelangen, wenn ich Glück hätte konnte ich so das Rotwild in Anblick bekommen.
Wie sich später herausstellte hatte mich Toni am frühen Nachmittag aufwärts gehen sehen und war somit der Meinung ich sei wieder Oben auf dem Posten Ich war noch keine 50m Weit gekommen, hatte ich einen Hirsch im Anblick. Der Hirsch zog 80 m vor mir Talwärts, ich stand wie angewurzelt still, zum nächsten Stamm um einen Anschlag zu haben, nein geht nicht der ist zu Weit entfernt. Es muss so gehen wollte ich den Hirsch nicht vergrämen, langsam nahm ich meine Büchse in freien Anschlag, in dem Augenblick als der Hirsch zu mir äugte brach der Schuss. Das Stück sprang Talwärts, Äste brachen dann war Stille.
Alles war so unverhofft schnell gegangen, ich musste mich erstmals hinsetzen. Ja als der Schuss brach war ich gut drauf, also musste er unweit der Anschussstelle liegen.
Langsam holte ich meinen Rucksack, dann besichtigte ich die Anschussstelle, tiefe Eingriffe jedoch kein Schweiss, keine Schnitthaare. Meine Zweifel waren schnell weg, denn 40 m weiter Unten sichtete ich einen roten Fleck in den Wachholderstauden.
Ein ungerader Zehnender lag.
Freudig wollte ich mich bei Toni bedanken, aufgebracht wie ich war, wollte dies zuerst nicht gehen, meine Finger zitterten zu arg.
Endlich hatte ich ihn jedoch dran, ob ich gefehlt hätte war seine Frage, das Rotwild das er gesehen hätte sei nach dem Schuss ein paar Meter gelaufen und die längste Zeit  beim Gorilla gestanden.
Ich beruhigte Ihn indem ich ihm sagte, dass mein Hirsch vor mir läge und erzählte ihm kurz was abgelaufen sei.
Jetzt Eilte es aber, noch muss ja die Büro Arbeit gemacht werden. Die Rote Arbeit war ebenfalls zu erledigen und es begann schon an zu nachten.
Der Transport nach unten auf die Forststrasse wäre wohl bei Tag einfacher gewesen, im Dunkeln zog ich meinen Stier den Hang hinunter, immer wieder geriet ich in die Stachel der Hagebutten oder lag flach im Hang.
Tonis Sohn Fabian wollte mit dem Anhänger, meine Beute und mich abholen. So war ich froh als er mir das letzte Stück bis auf die Forststrasse zu Hilfe kommen konnte.
War das wieder ein Tag, bis am Abend hatten wir zu Fünft 4 Stück Rotwild erlegen können, der fünfte Jagdkollege hatte gleich am frühen Morgen des Zweiten Hochjagdtages Waidmannsheil und konnte sein Stück Rotwild zu unserer Strecke dazulegen.
Waidmannsdank!
Anbei: Den braven Gamsbock hatte ich nie mehr im Anblick, hat Ihn also ein anderer Jäger in den frühen Morgenstunden erlegen können. An dem Erlebnis und der Medaillenverdächtigen Trophäe wird er sicher grosse Freude haben.
 
Waidmannsheil!

                                                                                                                           Bericht und Fotos: Kari Schmid  
 

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