-
Endlich
Sonntag der 11 Sept. 2010 16.30 Uhr!
-
Die langersehnte Walliser Patent Hochjagd konnte beginnen.
-
Den Rucksack bepackt mit Proviant für 2 Tage, die Jagdbüchse
geschultert stieg ich gemütlichen Schrittes den schmalen
Wanderweg hoch.
-
Anfangs recht steil, jedoch mit angenehmer Steigung
wechselte der Wald von Legföhren in normalen Tannenwald ab.
Um dann in ein gemütliches Zwischenstück zu wechseln, dass
den Beinen vom ersten doch strengen Aufstieg ein wenig
Erholung gönnte. Hier hatte ich schon oft Anblick von
Rotwild, dementsprechend versuchte ich lautlos zu pirschen,
konnte jedoch nichts erspähen.
-
Nach einem weiteren kurvenreichen Aufstieg hatte ich endlich
die Anhöhe erreicht, ab jetzt würde es leicht schräg nach
Unten gehen, wo ich meinen Posten sowie mein Zelt stehen
hatte.
-
Bevor ich den letzten Abschnitt, unter die Füsse nahm gönnte
ich mir eine kurze Verschnaufpause, die Lasst hatte es in
sich, meine Oberschenkel erholten sich aber schnell.
-
10 Minuten Später stand ich vor meinem Zelt, nachdem ich
meine verschwitzte Unterwäsche gewechselt hatte, ging ich
mit meinem Glas ausgerüstet in den 70 m entfernten Posten.
-
Hatte jedoch in der verbleibenden Stunde bis es langsam zu
dämmern begann kein Anblick.
-
Ein ziemlich starker Wind war aufgekommen und die ersten
angekündigten Regentropfen peitschten mir ins Gesicht, also
flüchtete ich in mein Zelt zurück.
-
Durch den Lärchenwald geschützt war es hier praktisch
Windstill. Die Temperatur war angenehm, so dass ich vor dem
Zelt meinen Aser machen konnte.
-
Waren
wir noch gemeinsam bei Jagdfreund Toni am Mittagstisch,
begann für mich die eigentliche Jagd jetzt hier Oben auf
1850 m über Meer, das Bergdorf erleuchtete langsam, immer
mehr lichter gingen an, nur noch vereinzelt vernahm ich das
brummen der Vierzigtonner, die den Pass hoch schnauften.
-
Ruhe, abschalten von der Arbeit, die ich ja gerne ausführte,
jedoch vor den Ferien halt immer doppelt streng, musste ja
noch Dies und Das erledigt werden, ja und mit den Gedanken
bereits auf der Jagd.
-
Toni kam mir in den Sinn, er hatte es sicher nicht so
windstill wie ich hier, also rief ich ihn kurz an. Er sei in
sein Zelt geflüchtet, bei ihm regne es recht stark meinte
er. Nach gegenseitigem Gutenachtwunsch verzog ich mich
ebenfalls in mein Zelt.
-
Sicherheitshalber stellte ich meinen Wecker auf 06.00 Uhr
war mir aber sicher schon vorher wach zu sein, aber man kann
ja nie Wissen, sicher ist sicher dachte ich.
-
Erstmals erwachte ich um 03.30 Uhr, ich hatte zu heiß an den
Füssen, nachdem ich den Reisverschluss vom Schlafsack unten
geöffnet hatte schlief ich wohl gleich wieder ein.
-
Irgendwann weckte mich der Knall meiner Büchse, ein guter
Traum dachte ich und lachte, der Hirsch lag im Feuer, wieder
schlief ich ein.
-
Schon bevor der Wecker losgehen konnte war ich jedoch wach,
steckte meine Hose zu mir in den Schlafsack um sie einwenig
aufzuwärmen. Vorsichtig und langsam öffnete ich die
Reisverschlüsse vom Zelt. Bei Büchsenlicht wollte ich durch
dieses Geräusch kein Wild vergrämen, vernahm auch jetzt kein
abspringendes Wild.
-
Um 07.00 Uhr verlies ich dann das Zelt um auf den nahen
Posten zu gehen.
-
Bereits um 06.25 verhallten die ersten Schüsse, bei mir ließ
sich kein Wild erblicken. Immer wieder suchte ich ohne
Fernglas die Gegend unter mir nach Wild ab, um dann mit dem
Glas festzustellen das es wieder nur ein vertrockneter Stamm
war.
-
Gegen 8.30 Uhr wurde ein richtiges Feuerwerk eröffnet,
einige Schüsse hörten sich recht nahe an, ich hatte meinen
Blaser bereit, jedoch vergebens.
-
Gegen 10.00 Uhr hielt es mich nicht mehr auf dem Posten,
denn das Rotwild war sicher schon zurück in den
Tageseinständen, jetzt wollte ich den Gamsbock den ich seit
Wochen beobachtet hatte. Um an den Bock zu kommen musste ich
hinunter zum schlafenden Gorilla (wie ich den Fells nenne).
-
Beim Gorilla angekommen pirschte ich so leise wie möglich,
den kleinen Gegenhang hoch, nach zwei Stunden Ansitz schwand
ebenfalls diese Hoffnung, dass der Bock um diese Zeit noch
hier sein Revier markiert.
-
Ich entschloss mich wieder zum Affen zu gehen, um auf die
andere Seite des Wäldchens zu pirschen. Gegen 16.00 Uhr
hallte ein Schuss von der andern Talseite, da hat Toni
geschossen dachte ich, lies kurze Zeit verstreichen um dann
über Handy nachzufragen. Er habe einen Hirsch erlegen können
bestätigte er mir. Mit einem Waidmannsheil beendeten wir das
Gespräch. So verging die Zeit, um 18.30 Uhr dachte ich wenn
der Bursche sich in der nächsten halben Stunde nicht blicken
lässt, wieder hinauf auf meinen Posten zu gehen. Die Zeit
war um, da vibrierte mein Handy in der Hosentasche, Toni
fragte mich ob ich schlafe, 150m unter mir wechsle ein
Rotwild durch, mir war sofort klar wo sich das Rotwild
aufhielt. Ich lies den Rucksack liegen und pirschte unter
dem Gorilla durch das schmale Waldband um auf den Gegenhang
zu gelangen, wenn ich Glück hätte konnte ich so das Rotwild
in Anblick bekommen.
-
Wie sich später herausstellte hatte mich Toni am frühen
Nachmittag aufwärts gehen sehen und war somit der Meinung
ich sei wieder Oben auf dem Posten Ich war noch keine 50m
Weit gekommen, hatte ich einen Hirsch im Anblick. Der Hirsch
zog 80 m vor mir Talwärts, ich stand wie angewurzelt still,
zum nächsten Stamm um einen Anschlag zu haben, nein geht
nicht der ist zu Weit entfernt. Es muss so gehen wollte ich
den Hirsch nicht vergrämen, langsam nahm ich meine Büchse in
freien Anschlag, in dem Augenblick als der Hirsch zu mir
äugte brach der Schuss. Das Stück sprang Talwärts, Äste
brachen dann war Stille.
-
Alles war so unverhofft schnell gegangen, ich musste mich
erstmals hinsetzen. Ja als der Schuss brach war ich gut
drauf, also musste er unweit der Anschussstelle liegen.
-
Langsam holte ich meinen Rucksack, dann besichtigte ich die
Anschussstelle, tiefe Eingriffe jedoch kein Schweiss, keine
Schnitthaare. Meine Zweifel waren schnell weg, denn 40 m
weiter Unten sichtete ich einen roten Fleck in den
Wachholderstauden.
-
Ein
ungerader Zehnender lag.
-
Freudig wollte ich mich bei Toni bedanken, aufgebracht wie
ich war, wollte dies zuerst nicht gehen, meine Finger
zitterten zu arg.
-
Endlich hatte ich ihn jedoch dran, ob ich gefehlt hätte war
seine Frage, das Rotwild das er gesehen hätte sei nach dem
Schuss ein paar Meter gelaufen und die längste Zeit beim
Gorilla gestanden.
-
Ich beruhigte Ihn indem ich ihm sagte, dass mein Hirsch vor
mir läge und erzählte ihm kurz was abgelaufen sei.
-
Jetzt Eilte es aber, noch muss ja die Büro Arbeit gemacht
werden. Die Rote Arbeit war ebenfalls zu erledigen und es
begann schon an zu nachten.
-
Der Transport nach unten auf die Forststrasse wäre wohl bei
Tag einfacher gewesen, im Dunkeln zog ich meinen Stier den
Hang hinunter, immer wieder geriet ich in die Stachel der
Hagebutten oder lag flach im Hang.
-
Tonis Sohn Fabian wollte mit dem Anhänger, meine Beute und
mich abholen. So war ich froh als er mir das letzte Stück
bis auf die Forststrasse zu Hilfe kommen konnte.
-
War das wieder ein Tag, bis am Abend hatten wir zu Fünft 4
Stück Rotwild erlegen können, der fünfte Jagdkollege hatte
gleich am frühen Morgen des Zweiten Hochjagdtages
Waidmannsheil und konnte sein Stück Rotwild zu unserer
Strecke dazulegen.
-
Waidmannsdank!
-
Anbei: Den braven Gamsbock hatte ich nie mehr im Anblick,
hat Ihn also ein anderer Jäger in den frühen Morgenstunden
erlegen können. An dem Erlebnis und der
Medaillenverdächtigen Trophäe wird er sicher grosse Freude
haben.
-
-
Waidmannsheil!
-
Bericht und Fotos:
Kari Schmid
|