Bericht 77: Der Bienenhüttenbock
 
Es war Mitte Juli als mein Vater mich fragte ob ich nicht mal Zeit hätte mit ihm anzusitzen
um einen Erntebock für den August auszusuchen. Ich sagte natürlich ja und wir machten uns einen Tag für den Abendansitz aus.
Er erzählte mir schon die letzten 2-3 Jahre von einem Bock den „Bienenhüttenbock“ wo er meinte: Den lässt er stehen. Mein Vater teilte mich also an diesen Tag für eine Kanzel ein wo der Bock ausziehen sollte. Ein Gewitterregen zog über mich hinweg und es dauerte nicht lange bis die ersten Stücke in die Brachfläche aus dem Mais traten. Geiß mit 2 Kitzen, ein Jährling und ein gut veranlagter 3 jähriger Sechser, aber das konnte  doch nicht der Bock sein den mein Vater gemeint hat dachte ich mir noch und so ließ die Zeit an mir vorbeistreichen und
suchte weiter den Waldrand und die Brachfläche mit dem Fernglas ab. Als es schon ziemlich dämmrig wurde sah
ich noch einen schwarzen Fleck am Waldrand austreten  und griff sofort zu meinem Fernglas. Ansprechen war nicht mehr drinnen aber ich sah, dass es ein gewaltiger Rehbock sein musste.
Als ich dann wieder mit meinem Vater beim Auto zusammenkam fragte er mich ob ich den etwas gesehen habe
und ich erzählte ihm von meinem Anblick was ihn zu einen schelmischen Grinsen veranlasste.
Wir fuhren zu ihm nach Hause wo wir noch gemütlich mit  auf der Terrasse beisammen saßen.
Er erzählte mir, dass er auch einen guten Anblick hatte und fragte mich natürlich noch mal ausführlich über den
Rehbock den ich nicht mehr ansprechen konnte aus.
Meiner Beschreibung nach die ich nur sehr oberflächlich gestalten konnte entnahm er dann nur eines…..
Des is der Bock, …. dei Bock,…. host heier eh koan!“….. Momentan hat es mir kurz die Sprache verschlagen und ich fragte nur warum er ihn nicht selber schießen wolle immerhin hat er jetzt 4-5 Jahre gewartet.
Kleine Diskussion hin und her, ich konnte es ihm ja nicht mehr abschlagen und hatte natürlich eine riesen Freude damit.
Vor dem 1. August ging ich noch mal am Morgenansitz und bestätigte einen reifen kapitalen Rehbock.
Ab diesen Zeitpunkt ließ ich ihm seine Ruhe und fieberte den August entgegen.
Am 1.August dann ging es um 03.30 mit meinem Vater zum Ansitz, wenn ich ihn schon erlegen darf sollte er auch dabei sein.
Um 04:30 ein Schatten in der Brache die mittlerweile sehr hoch geworden war mit einzelnen kleinen
lichten Flächen……  Es ist der Bock ich versuche das Gewehr einzurichten und ihn ins Absehen zu bringen aber es war einfach noch zu Finster und er verschwand wieder.
Um 08:30 verlassen wir den Ansitz um es am Abend noch mal zu versuchen. Gesagt, Getan bis 21:00 hatten wir nichts im Anblick bis auf einmal ein Schuss im Nachbarrevier brach (200m Luftlinie) mein Puls raste und ich dachte jetzt liegt er. Wir konnten den Nachbarjäger in der Dämmerung beobachten wie er ein Stück aufnahm und zum Waldrand zog, jedoch konnten wir nicht erkennen was er hatte.
Die nächsten beiden Morgen- und Abendansitze verliefen auch erfolglos und ich dachte mir, vielleicht sollte ich doch den  Nachbarjäger anrufen.
Mein Vater hingegen meinte ich soll mich beruhigen wenn er schon gefallen wäre würden wir das wissen.
Nach drei Tagen Morgen – und Abendansitz wollte ich am 4. August nicht um 03:00 aufstehen und beschloss am Vormittag etwas Blatten zu gehen.
Die Kanzel bestieg ich um 09:30 ich blattete mal rein, worauf das Handy klingelte und ein Jagdkollege mich wissen ließ, dass er seinen Bock in der Früh erlegt hatte.
Ich würgte ihn mehr oder weniger ab und sagte, dass ich mich später melden würde weil ich gerade am Ansitz bin.
5 Minuten später versuchte ich mein Glück noch mal und wie aus dem nichts tritt der Bock aus dem Maisfeld.
Ich greife zu meiner 30.06 und wie er in einer lichten Fläche auftaucht bricht der Schuss und lässt ihn noch einige schwere Fluchten machen eher er zusammenbricht…. Das Adrenalin in meinem Körper lässt es fast nicht zu, das ich meinen Vater benachrichtige. Mit stockender Stimme übermittle ich ihm die erfreuliche Nachricht. „Papa er liegt“…… ich hörte noch „Waidmannsheil, kum glei“ und weg war er.
Nach kurzer Zeit war mein Vater da und wir gingen gemeinsam zum erlegten Stück….  Ein reifer kapitaler Rehbock lag vor uns und mein Vater drückte mir ein Busserl auf die Wange und sprach mir noch mal ein kräftiges Waidmannsheil aus.
Andächtig saßen wir noch eine Zeit lang beim Stück und erledigten anschließend die rote Arbeit. Ich trommelte noch einige Jagdkollegen und Freunde zusammen und was anschließend bis in die späte Nacht hinein geschah brauch ich wohl niemanden erzählen…
 
Waidmannsheil und Waidmannsdank!!
                                                                                                                           Bericht und Fotos:  Wilhelm Haller
 

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