| Bericht 58: Besser geht's nimmer! |
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Nachdem ich heuer ja schon bei einem Freund in Bayern jagen durfte und dort einen kapitalen Knopfbock erlegen durfte, bahnt sich schon das nächste Jagderlebnis an, nachdem ich zu Hause noch einen Knopfhirschen erjagt habe. Beim letzten Treffen im Vinschgau, Christoph war dort beim Angeln, haben wir vereinbart: Wir müssen wieder einmal etwas gemeinsam erleben. Ich solle doch im Juni zu ihm nach Salzburg kommen zum Rehjagern. Meine Frau wusste noch nichts von ihrem Glück als ich zusagte. Ich freute mich, wieder einmal in Salzburg zu sein und dort Christophs Familie wiederzusehen. Das letzte Mal haben wir uns – man glaubt es kaum vor ein paar Jahren am Meer in Jesolo getroffen, ohne Absprache, wohl bemerkt! Wie immer dauert mir so eine Fahrt immer zu lange und ich gebe ordentlich Gas. Bei diesen Fahrten ins Ausland zum jagern schalte ich immer so langsam ab, um dann frei von Stress beim Bestimmungsort anzukommen. Ich genieße es, ein Willkommensbier zu trinken und ein bisschen zu ratschen. Viel hat man sich ja zu erzählen und bald wird es Zeit fürs Revier. Seit Wochen regnet es und die Wiesen stehen unter Wasser. Alles trieft nur so von Nässe. Wir fahren das Revier ab und Christoph weist mich auf einer Kanzel ein. Es sollen dort 9 (!) Böcke austreten. Er beschreibt mir den einen und anderen und meint ich solle mir doch einen richtig Guten aussuchen. Einen, den er mir sehr gut beschreibt, sollte ich doch bitte schonen, da er noch jung sei und wohl schonungswürdig wäre. Ansonsten würde ein sehr hoch aufhabender engstehender Bock das erforderliche Alter von 5 Jahren haben. Diesen würde er mir gern gönnen. Der junge Kapitalbock lässt sich dann auch bald vor mir im kniehohen Gras blicken und geht dort auf ca. 30 Meter ins Lager. Er wird von einer starken Schmalgeis begleitet. Noch ein schwacher Sechser taucht auf es wird dies wohl ein Jahrlingsbock sein. Es dauert nicht allzu lange, da zieht am hinteren Feld ein Bock mit Gais aus. Der Bock erscheint mir als alt im Vergleich zu den beiden zuerst entdeckten. Ich entscheide mich für den Schuss. Die beiden sind auf dem Weg zur Reviergrenze, die mitten durch die regennasse Wiese geht. Christoph hat mir die Grenze eingeprägt und als der Bock dieser nahe kommt lasse ich die Waffe wieder sinken. Die Grenze ist mir zu nah und außerdem verschwindet ein Großteil des Rehkörpers im tiefen Gras. Ein sicherer Schuss ist somit nicht möglich. Teilweise sind die Rehe gar nicht zu sehen, so hoch steht das überreife Gras. Doch auf einmal ziehen die Rehe zurück. Trotzdem denke ich nicht ans schießen. Der Bock zieht hin und her und ist sehr unstet. Ich beobachte wieder den Kapitalbock in meiner unmittelbarer Nähe. Auf einmal sehe ich den älteren Kameraden mitten in der Wiese neben seiner Geis. Er steht auf einer kleinen Erhöhung und ist komplett sichtbar. Brettlbreit steht er da und offeriert sich mir – ich richte mich wieder und denke noch – der passt so wie er da steht. Er bleibt unbeweglich und ich kann ihm auf ca. 140 Meter die Kugel antragen. Da ich nicht, wie sonst nach dem Schuss, mit dem Absehen im Glas auf dem beschossenen Wild bin, dauert es eine Sekunde bis ich mich im Zielfernrohr wieder zurecht finde. Dort sehe ich noch wie ein Reh gegen den Wald flüchtet. Ich hoffe dass dies die Geis ist und beobachte weiterhin den Anschuss, den ich mir merke. Es war ja so ziemlich in der Mitte der Wiese.
Es dauert auch nicht lang und schon kommen mehrere Rehe in Anblick. Noch ein ähnlicher Rehbock wie der eben gestreckte, eine Schmalgeis, ein Jahrlingsgabler mit extrem starken Rosen und eine Geis mit Kitz. Und, als es schon komplett finster ist, sehe ich auf ca. 150 Meter drei Rehe austreten. Ich erkenne, dass ein Bock dabei ist, der extrem hoch auf hat. Der helle Hintergrund eines Getreidefeldes macht diese Ansprache noch möglich. Mehr kann ich beim besten Willen nicht mehr erkennen. Ich werde ihn wiedersehen, wie sich am übernächsten herausstellen wird. Ich baume ab, denn Christoph kommt auch schon mit seinem Geländewagen, mich abzuholen. Irgendwie war ich erleichtert, dass nicht noch mehr auf der Strecke gelegen hat. Es zieht mich zum Erlegten, den ich noch im Detail begutachten und einfach in Besitz nehmen möchte. Ich berichte kurz von meinem Anblick und sehe an den leuchtenden Augen meines Freundes, der schon geahnt hat, welcher Bock da bei mir war. Er meint, dass es von nun an ihm gelten sollte. Der erlegte
Bock vom frühen Abend wird nun von uns tot getrunken, so dass an
eine Frühpirsch gar nicht zu denken ist. Nach einem ausgiebigen
Frühstück begeben wir uns am nächsten Vormittag erst spät ins
Revier. Eine Gummipirsch beschert uns im Wald einen sehr guten
Anblick. Bei uns wären die meisten der gesichteten Rehböcke mehr
als gut gewesen. Sogar ein etwas Abnormer (eine Seite Sechser
die andere ein verbogener Spieß) ist dabei. Einige konnte ich
filmen oder fotografieren. Sogar auf wenige Meter können wir
Rehe beobachten, ohne, dass sie uns oder dem Auto mehr als ein
kurzes Aufwerfen widmen. Bald machen wir eine (diesmal
Fuß-)Pirsch im Wald – der feuchte Nadelboden macht uns nahezu
lautlos. Hintereinander pirschen wir also an einem Fuchsbau
vorbei, der befahren ist und ausgerechnet hier hat eine Rehgeis
ihre beiden Kitze abgelegt. Da wir hier jeden Tag vorbei kommen,
können wir die beiden Kitze immer wieder beobachten. Weiter geht
unsere Pirsch an einem idyllischen Weiher vorbei. Eine
Purpur-Ente mit ihrem Gesperre können wir hier beobachten – für
mich kein alltäglicher Anblick! Den Nachmittag verbringen wir im Biergarten, denn auch ein Spießerchen, der auf einer Seite zu einem Gabler blendet, will gebührend gefeiert werden. Wir philosophieren den ganzen Nachmittag über die Jagd, Gott und die Welt und der Abend sieht uns im Revier wieder. Wieder kommt uns so einiges in Anblick – Diesmal sitzen wir zu zweit an. Vieles kommt wiederholt in Anblick – es ist schön in einem Revier mit einem gesunden Wildbestand zu jagen. Anblick ist immer gewiss!
Heute muss ich aber im Laufe des Tages heimfahren, so wie ich es mit meiner Familie vereinbart habe. Ich spiele aber mit dem Gedanken, noch den Abendansitz zu machen und dann noch einen Kaffee zu genießen, bevor ich die Nacht fürs Heimfahren nutze. Aber: Meistens kommt es erstens anders und zweitens als man denkt… ! Wir pirschen zu Mittag durchs Revier, aber ohne rechten Anlauf. Es ist warm geworden und die Rehe haben sich in den Einständen verschanzt. Wir sehen „nur“ eine Geis die uns neugierig umrundet und später die bekannten beiden Kitze am Fuchsbau und dann nochmal zwei Kitze. Naja Nachwuchs ist da. Beim Mittagessen treffen wir noch einige Jäger und diskutieren über unser Hobby. Auch der Vater von Christoph ist dabei. Er ist zurzeit verhindert die Jagd auszuüben, da er durch einen Skiunfall ziemlich bewegungsunfähig ist. Wir sind froh, dass er sich auf dem Weg der Besserung befindet! Noch einmal wird der Ominöse Kapitalbock besprochen. Ob er es wohl war, den ich spät abends vor mir hatte? Der Ort würde stimmen. Er wurde aber auch erst ein einziges Mal gesehen! Mein Freund und sein Vater würden ihn mir von Herzen gönnen und so nehme ich die Aufforderung gern an, mich an dem Platz wieder anzusetzen. Früh abends fahren wir wieder ins Revier und ich setze mich an eine Wiese die vor meinen Augen gemäht wird. Ungefähr 2 ha Wiese wird binnen einer halben Stunde gemäht und das Heu gewendet/gelüftet. Ein Kitz hätte bei einer solchen Geschwindigkeit keine Chance zu entrinnen. Sobald die Wiese gemäht ist, stolziert ein Fasanenhahn den Weg entlang immer näher zur Kanzel. Mein Hund ist unten frei abgelegt und der Hahn nähert sich ihm immer mehr. Bald trennen die beiden nur mehr zwei Meter. Mein BGS hält aus und der Infanterist entfernt sich wieder langsam. Das Zittern des BGS und die Aufregung ist mir nicht entgangen, aber ich bin stolz auf meinen alten Kameraden, dass er der Versuchung widerstanden hat. Er ist halt doch noch immer der Beste! Mittlerweile werde ich den Platz wechseln und baume ab. Die „Einfüßige“ Kanzel ist nicht weit und dort werde ich den Abend verbringen. Weit ist dort der Ausblick und viel Anblick zu erwarten. Vom Hasen bis zum Rehbock sieht man dort immer etwas. Auch der Gesuchte ist dort zu erhoffen. Christoph hat mir das Versprechen abverlangt nicht bescheiden zu sein und abzudrücken, wenn es passt! Naja wenn es passt! Was soll ich drunter verstehen. Die Auswahl ist ja groß und ich habe ja schon doppelten Erfolg zu verzeichnen. Naja ich schau mal, was kommt. Es besteht für mich ja kein Zugzwang und ich will den Anblick hier genießen.
Ebenso der Jährlingsgabler mit den starken Rosen kommt – diesmal mit einer Schmalgeis, die wohl zu erlegen wäre. Sie ist im Vergleich zu dem anderen Wild, das ich mittlerweile hier gesehen habe im unteren Durchschnitt einzureihen. Ich behalte mir diese Option für später auf. Die beiden umkreisen die Kanzel und ziehen in den Bestand, kommen wieder heraus und fühlen sich sichtlich wohl. Es ist ein Genuss den beiden Rehen zuzusehen. Mir kommt so vor, als würden sie sich miteinander unterhalten. Einmal sind sie nah beieinander, dann trennen die beiden wieder mehr als hundert Meter. Es wird mir nie langweilig. Dazwischen sehe ich hinter mir wieder den mittelalten Sechser, der wohl bei uns zu Hause eine begehrenswerte Trophäe darstellen würde. Aber einen ähnlichen habe ich ja bereits erlegen können. Ich warte doch lieber ob der Ersehnte auftaucht. Ja ich habe mich entschieden: Sollte dieser kommen oder ein anderer interessanter Bock, dann werde ich ihn versuchen zu erlegen. Ich bin mir sicher, dass er mir vergönnt ist. Langsam wird es nun dieselig, aber das Licht reicht noch recht gut aus zum Ansprechen. Und da kommen auch schon neue Rehe aus dem gegenüberliegenden Wald. Ich kann eine Geis mit Kitz erkennen und – mir stockt fast der Atem – da kommt ein „Mords-Trumm-Bock“ aus dem Bestand! So was Kapitales habe ich bisher noch nie in freier Wildbahn gesehen! Ich will ihn erlegen, schaue ihn mir aber doch noch mi dem bereit gelegten Spektiv an. Ja der ist sicher älter als alle anderen, die wir bisher gesehen haben. Der starke Träger und die Haltung, der ganze Bock erscheint mir als alt genug. Auch die hellbraune Farbe der Decke – eigentlich steht alles dafür! Ob er aber die erforderlichen 5 Jahre hat, das kann ich freilich nicht garantieren. Ich entscheide mich für den Schuss, lege das Spekiv auf die Seite und richte mich ein. Meine beiden Puffreis-Säckchen, die ich immer im Rucksack mit mir führe, kommen wieder zum Einsatz. Waren sie mir vorher beim Fotografieren und mit dem Spektiv behilflich, so geben sie jetzt dem Vorderschaft eine perfekte Unterlage! Ich ziele den von mir begehrten Bock an und will grad abdrücken, als das Telefon neben mir vibriert. In der Annahme es könnte mein Freund sein, sehe ich nach und erkenne den Namen meines Vaters, der wohl nur wissen möchte, ob ich schon Weidmannsheil hatte. Ich lasse das Handy links liegen und konzentriere mich dem Bock eine saubere Kugel anzutragen. Er steht auf 150 Meter breit und äst. Ruhig steht das Absehen knapp hinter dem Blatt – genau da wo ich es für richtig finde. Ich warte noch bis er sein Haupt hebt und drücke dann schön langsam den Abzug durch, der schön trocken reagiert und die tödliche Kugel auf den Weg schickt. Ich bin mir sicher, dass sie das Ziel punktgenau erreichen wird und sehe den Bock mit den Hinterläufen ausschlagen und in einem Halbkreis den Waldrand annehmen. Gezeichnet hat er gut und müsste eigentlich innerhalb weniger Meter liegen. Trotzdem lasse ich mir Zeit zum Anschuss zu gehen, möchte ich doch einen nie auszuschließenden schlechten Schuss nicht noch durch Aufmüden des Stückes verschlimmern. Ich packe meine Utensilien zusammen und geh zum Anschuss – mittlerweile ist auch mein Freund mit seiner Frau angekommen. Sie haben das ganze von weitem verfolgt. Meinen Schweißhund ist im Auto während wir den Anschuss suchen. Das schwindende Licht macht es uns aber unmöglich, irgendein Schusszeichen zu finden. Während die beiden die nähere Umgebung durchsuchen, hole ich Rocky meinen treuen Begleiter und lasse ihn frei suchen. Ich habe die Schweißleine natürlich im eigenen Auto und das steht ein paar Kilometer weiter. Es ist inzwischen komplett finster – ich versuche dem Hund zu folgen der wohl bereits die richtige Fährte aufgenommen hat. Bereits nach wenigen Metern im Bestand verweist er mir einen Tropfen Schweiß und bereits nach weiteren 10 Metern liegt mein Bock! Er hat den Schuss genau dort wo er hingehört. Das Herz ist komplett abgetrennt, erkenne ich später beim Aufbrechen! Ich ziehe den Rehbock ins Freie, wo ich ihm die letzte Ehre erweise. Er erhält den letzten Bissen und ich den Bruch von Elke. Bald hallt schon das Signal „Reh tot“ in den Wald. Ich habe mein Taschenhorn immer dabei und für mich gehört dies einfach dazu, auch wenn der Zweck nicht mehr der selbe ist wie vor vielen Jahren, als es noch kein Handy gab, den gelungenen Abschuss zu vermitteln. Natürlich habe ich mein Glück auch mittels moderner Kommunikationstechnik weitergegeben und auch meinen Vater habe ich zurückgerufen und ihm die freudige Mitteilung gemacht. An ein Heimfahren ist in den nächsten Stunden natürlich auch nicht zu denken, und so genieße ich auch den Teil der nach dem Erlegen kommt. Das Wild muss geborgen und versorgt werden. Aber bevor wir ihn in die Kühlzelle bringen wird der Bock noch mehrmals verblasen, gezeigt und begutachtet, sowie das Erlebnis mehrfach erzählt. Wir feiern bis spät in die Nacht hinein. Es ist mittlerweile so warm geworden, dass wir im Garten bleiben können – Der Bock neben uns sitzen wir in der Runde – was gibt es Schöneres? Ein Teil der Rehleber wird hauchdünn geschnitten und roh auf Butterbrot serviert. Ich bin immer bereit Neues zu probieren und so komme ich hier in diesen Genuss. Ungewohnt – aber gut! So bin ich zu meinem Lebensbock gekommen. Ein herzliches Weidmannsdank dem Gönner für das schöne Erlebnis!
Weidmannsheil |