Bericht 45: Trickakrobaten im Hochwald

Endlich heute kein Regen und so will ich einfach nach mehr als 2 Wochen mit dem Hund eine längere Runde drehen, den ich eine ganze Woche wegen einer Kulturreise, die ich als Blindenbegleiterin gemacht habe, in der Tierpension hatte und dann hat mich zu allem Pech noch so eine komische Grippe wie ein Blitz aus heiterem Himmel am Schopf gepackt, die mich fast eine Woche um Hunger und Schlaf gebracht hat, aber witziger Weise nicht um den "gluscht" auf Nikotin, starteten wir. Nach 200/300 Höhenmetern pfiff ich schon aus dem letzten Loch, meine Kondition, gleich 0000. So plagte ich mich aufwärts in Gedanken versunken. Plötzlich höre ich rechts von mir ein ängstliches Gepiepse und sehe nur etwa 2 Meter vor mir eine Haselhenne mit ihrem Gesperr. Die Henne flüchtet vor mir über den Steig nach links, flügellahm und mit einem Ständer war auch etwas nicht in Ordnung . Die kleinen Piepmätze flüchten auseinander jedes in eine andere Richtung und verschlüpfen unter allen möglichen Verstecken, die ich mir zu merken versuche um sie nachher zu finden, da ich ja alle retten will. Kurz kommt mir der Gedanke an ähnliche Situation wobei ich von unserem Aufseher eine Abreibung bekam, aber das ist eine andere Geschichte und ich werde sie am Ende kurz erwähnen. So gehe ich der Henne nach die immer noch einige Meter vor mir ein fürchterliches Gezeter veranstaltet. Als wir aber weit genug vom Jungvolk entfernt sind ist sie auf ein Mal gar nicht mehr flügellahm und verletzt sondern recht lebendig richtet ihren Schopf in die Höhe und fliegt weg. Aber da ich eigentlich lange schon kein Gesperr mehr gesehen habe, nur einzelnes Haselwild, habe ich das Ablenkungsmanöver ganz vergessen gehabt und wollte eigentlich nur Henne mit Kücken vor Feinden retten und in Sicherheit bringen, daß der Feind ich war und sie eigentlich nur in Ruhe gelassen werden wollte kam mir erst jetzt in den Sinn. Bemerkenswert wie diese Tiere mit allen Tricks die Feinde von ihren Jungtieren weg zu locken versuchen und wie echt das aussah. Zufrieden  und glücklich über den Anblick setzte ich meinen Weg fort und in den gut 4 Stunden sah ich noch das eine und andere Wild, der Tag war gerettet und meine Kondition im Aufschwung. (Werde aber bei Gelegenheit meine Wildkunde etwas auffrischen, versprochen )

Und nun die alte Geschichte: Spät nachts auf dem Heimweg sah ich ein Rehkitz am Stassenrand liegen, vermutlich über die steinige und steile Böschung gerutscht, ließ es aber dort in der Hoffnung daß sich die Geiß seiner annimmt. Am nächsten Morgen fahre ich wieder zu der Stelle und es liegt immer noch dort die Augen halb offen, über und über voll Sand und Schmutz, weil die Strassenarbeiter mit der Kehrmaschine vorbei gefahren waren. So nahm ich es mit nach Hause, säuberte es und hatte eigentlich keine Hoffnung das es überlebt. Mit Kamillentee, Traubenzucker und schließlich mit Milupa Folgemilch wurde Hansi zu einem lustigen und ziemlich unkompliziertem Mitbewohner, der nachts nach Futter piepste, in der Stube auf dem Diwan schlief und an meiner Seite spazieren ging. Bis das Bockkitz mir des öffteren sein spitzes Geweih in den Hintern rannte und ich gezwungen war schweren Herzens das Reh in ein großes Gehege am Gardasee zu geben, weil seine Angriffslust einfach zu gefährlich und schmerzhaft war. Damals habe ich von unserem Aufseher einen ziemlichen Anschiss erhalten, daß man als Jäger so gscheid sein sollte und keine Wildtiere mit nach Hause nehmen dürfe. Aber na ja wer macht schon alles richtig


Weidmannsheil

                                                                                                                           Bericht:   Annelies Lahner

 

 

 

 

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