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Wie
immer wenn im Gredetschtal die grössten Lawinen herunter
gedonnert sind, die gröbste Gefahr wegen Steinschlag vorbei ist,
zieht es mich an.
Am Samstag den 22. Mai startete ich bereits frühmorgens, wollte
ich doch in den steilen Talseiten nach Gamsen Ausschau halten.
Das
Wetter versprach einen fantastischen Tag. Nach kurzer Autofahrt,
wurde der Rucksack nochmals überprüft, alles war gepackt um ohne
Hunger und Durst den Ausflug in das wilde aber fantastische Tal
zu geniessen.
Zicco war ebenfalls voller Tatendrang, zu seinem Leidwesen
musste er bei Fuss gehen, waren jetzt um diese Zeit die Rehe
noch auf der Morgenwaid.
Neben der Soane (Wasserleitung) die Wald und Waid trennt, führt
ein schmaler Weg in den Eingang zum Gredetschtal. Der Eingang
ist keine dreissig Fuss breit, nach wenigen Metern der Enge
verbreitert sich das Tal zusehends. Bereits nach einigen Metern
hatte ich Fahlwild im Anblick. Nebst einigen Geissen mit ihrem
letztjährigen Nachwuchs konnte ich eine alte Geiss mit grossen
Schwertern beobachten. In dieser Jahreszeit sehen sie aus wie
Lumpensammler, überall hing noch die warme Winterwolle am
Steinwild herunter, besonders die Alte sah in Ihrem Haarwechsel
gar verlumt aus.
Gespannt aber ruhig beobachtet Zicco die Jährlinge wie sie auf
einem Felsen herum turnen, für sein Verhalten gelobt, zogen wir
dann weiter Taleinwärts. Immer wieder wurden wir von dem
schrillen Warnpfiff der Murmeltiere
überrascht, hatte ich im letzten Jahr noch grosse Mühe meinen
Terrier bei Fuss zu halten wenn der Pfiff eines Murmel ertönte,
konnte ich jetzt überrascht feststellen das Zicco sehr viel
Disziplin dazu gelernt hatte.
Sichtlich nervös und vom Jagdfieber gepackt blieb er bei Fuss.
Immer wieder hatte ich an den steilen Talflanken Gamsen im
Anblick, was mich aber speziell erfreute, recht viele
Gamsjährlinge konnte ich zählen, der Winter war ja auch nicht
mehr so brutal wie letztes Jahr mit dem Wild.
Stetig stieg der Weg ins Tal einwenig an, nur an zwei Stellen
musste ich über Lawinen wechseln ansonsten war der Weg
Schneefrei. Gegen 08.30 Uhr passierte ich die einzigen Hütten im
Tal, diese schienen an diesem Tag noch
nicht besetzt zu sein.
Ein paar Minuten später blieb Zicco bei einer Lawine stehen und
windete Bergwärts, ja dann such, motivierte ich ihn. Begeistert
erkletterte den Lawinenkegel. Nach ein paar Minuten blieb er
stehen und fing an zu
scharren. Leicht konnte ich über die Beton harte Lawine zu Ihm
hoch klettern, ein Steinbock war von der Lawine mitgerissen
worden. Das einzige was ich finden konnte waren die Läufe von
einem schon alten Steinbock, der
Rest fehlte, kein Ziemer keine Rippen, ebenfalls der Grind war
weg. Einige Zeit wurde die Lawine nach den Überresten abgesucht,
gefunden wurde jedoch nichts mehr. So musste wohl ein Anderer
vor uns den Steinbock gefunden haben.
Die
ersten Sonnenstrahlen kamen jetzt bis in den Talgrund, auf einem
Stein sitzend genoss ich diese, bald einmal konnte ich meine
Jacke ausziehen, nach einem kräftigen Schluck aus der
Wasserflasche gings weiter.
Keine 300 Meter weiter beim nächsten Lawinenkegel blieb Zicco
abermals stehen, jetzt dachte ich das vielleicht der Adler oder
der Fuchs den vorher vemissten Teil des Steinbockes bis hierhin
verschleppt hätte und schickte
den Hund wieder los. Zielstrebig rannte der Terrier die Lawine
hoch, diesmal war anscheinend mehr vorgefunden worden. Zicco
zerrte ein Stück Decke die Lawine herunter. Diese Lawine hatte
eine vier Jährige Steingeiss in den Tod gerissen. An diesem Tag
wurden von uns acht Opfer des Winters entdeckt, an den
Fundstellen war immer das gleiche Bild, nur Vorder- und
Hinterläufe und Haar, nur bei der Steingeiss war der Grind noch
da, ansonsten waren keine Rücken und Köpfe zu finden.
Gegen Mittag erreichten wir die hinterste Ebene des Tales, nach
der Mahlzeit aus dem Rucksack genossen wir mit einem
Mittagsschlaf neben dem rauschenden Gletscherbach die Rastzeit.
Jetzt merkte man schon dass der Sommer nahte, obwohl es der
erste wolkenlose Tag nach langem war, brannte die Sonne auf der
Haut. Gegen 16.00 Uhr wurden wir im Cafe in Birgisch mit einem
Napf Wasser und einem kühlen Bier belohnt.
Weidmannsheil
Bericht und Fotos:
Kari Schmid
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