Bericht 36: Mit Zicco on Tour


Wie immer wenn im Gredetschtal die grössten Lawinen herunter gedonnert sind, die gröbste Gefahr wegen Steinschlag vorbei ist, zieht es mich an.
Am Samstag den 22. Mai startete ich bereits frühmorgens, wollte ich doch in den steilen Talseiten nach Gamsen Ausschau halten.
Das Wetter versprach einen fantastischen Tag. Nach kurzer Autofahrt, wurde der Rucksack nochmals überprüft, alles war gepackt um ohne Hunger und Durst den Ausflug in das wilde aber fantastische Tal zu geniessen.
Zicco war ebenfalls voller Tatendrang, zu seinem Leidwesen musste er bei Fuss gehen, waren jetzt um diese Zeit die Rehe noch auf der Morgenwaid.
Neben der Soane (Wasserleitung) die Wald und Waid trennt, führt ein schmaler Weg in den Eingang zum Gredetschtal. Der Eingang ist keine dreissig Fuss breit, nach wenigen Metern der Enge verbreitert sich das Tal zusehends. Bereits nach einigen Metern hatte ich Fahlwild im Anblick. Nebst einigen Geissen mit ihrem letztjährigen Nachwuchs konnte ich eine alte Geiss mit grossen Schwertern beobachten. In dieser Jahreszeit sehen sie aus wie
Lumpensammler, überall hing noch die warme Winterwolle am Steinwild herunter, besonders die Alte sah in Ihrem Haarwechsel gar verlumt aus.
Gespannt aber ruhig beobachtet Zicco die Jährlinge wie sie auf einem Felsen herum turnen, für sein Verhalten gelobt, zogen wir dann weiter Taleinwärts. Immer wieder wurden wir von dem schrillen Warnpfiff der Murmeltiere
überrascht, hatte ich im letzten Jahr noch grosse Mühe meinen Terrier bei Fuss zu halten wenn der Pfiff eines Murmel ertönte, konnte ich jetzt überrascht feststellen das Zicco sehr viel Disziplin dazu gelernt hatte.
Sichtlich nervös und vom Jagdfieber gepackt blieb er bei Fuss.
Immer wieder hatte ich an den steilen Talflanken Gamsen im Anblick, was mich aber speziell erfreute, recht viele Gamsjährlinge  konnte ich zählen, der Winter war ja auch nicht mehr so brutal wie letztes Jahr mit dem Wild.
Stetig stieg der Weg ins Tal einwenig an, nur an zwei Stellen musste ich über Lawinen wechseln ansonsten war der Weg Schneefrei. Gegen 08.30 Uhr passierte ich die einzigen Hütten im Tal, diese schienen an diesem Tag noch
nicht besetzt zu sein.
Ein paar Minuten später blieb Zicco bei einer Lawine stehen und windete Bergwärts, ja dann such, motivierte ich ihn. Begeistert erkletterte den Lawinenkegel. Nach ein paar Minuten blieb er stehen und fing an zu
scharren. Leicht konnte ich über die Beton harte Lawine zu Ihm hoch klettern, ein Steinbock war von der Lawine mitgerissen worden. Das einzige was ich finden konnte waren die Läufe von einem schon alten Steinbock, der
Rest fehlte, kein Ziemer keine Rippen, ebenfalls der Grind war weg. Einige Zeit wurde die Lawine nach den Überresten abgesucht, gefunden wurde jedoch nichts mehr. So musste wohl ein Anderer vor uns den Steinbock gefunden haben.
Die ersten Sonnenstrahlen kamen jetzt bis in den Talgrund, auf einem Stein sitzend genoss ich diese, bald einmal konnte ich meine Jacke ausziehen, nach einem kräftigen Schluck aus der Wasserflasche gings weiter.
Keine 300 Meter weiter beim nächsten Lawinenkegel blieb Zicco abermals stehen, jetzt dachte ich das vielleicht der Adler oder der Fuchs den vorher vemissten Teil des Steinbockes bis hierhin verschleppt hätte und schickte
den Hund wieder los. Zielstrebig rannte der Terrier die Lawine hoch, diesmal war anscheinend mehr vorgefunden worden. Zicco zerrte ein Stück Decke die Lawine herunter. Diese Lawine hatte eine vier Jährige Steingeiss in den Tod gerissen. An diesem Tag wurden von uns acht Opfer des Winters entdeckt, an den Fundstellen war immer das gleiche Bild, nur Vorder- und Hinterläufe und Haar, nur bei der Steingeiss war der Grind noch da, ansonsten waren keine Rücken und Köpfe zu finden.
Gegen Mittag erreichten wir die hinterste Ebene des Tales, nach der Mahlzeit aus dem Rucksack genossen wir mit einem Mittagsschlaf neben dem rauschenden Gletscherbach die Rastzeit.
Jetzt merkte man schon dass der Sommer nahte, obwohl es der erste wolkenlose Tag nach langem war, brannte die Sonne auf der Haut. Gegen 16.00 Uhr wurden wir im Cafe in Birgisch mit einem Napf Wasser und einem kühlen Bier belohnt.


Weidmannsheil
 
                                                                                                                              Bericht und Fotos:  Kari Schmid

 

nach oben