BERICHT 06: Unverhoffter Anblick!

Im Herbst des vergangenen Jahres machte ich mich früh zu einer Bergwanderung in Tirol auf. Weil ich mir eine größere Route für diesen Tag ausgesucht hatte, war ich dementsprechend früh auf den Beinen.
Einen wunderschönen einsamen Tagesbeginn bei gutem Wetter in der Bergwelt Tirols zu erleben, ist schon etwas unbeschreibliches.
Gerade als Jäger blickt man anders in die Natur. Man sieht Trittsiegel, spürt den Wind, ob er von vorne kommt oder von hinten in den Nacken zieht. Wild wird auf weite Strecken erkannt. Selbst beim Autofahren, schweift der Blick des Jägers
am Waldrand vorbei. Der Jäger als naturmensch schläft nie. Selbst im Urlaub und bei einer Bergwanderung nicht.
So zog ich meine Höhenmeter durch den Bergwald, als ich plötzlich auf 300m einen  Wischer rechts neben der Forststraße gewahrte. Sofort schoss es mir durch den Kopf: Rotwild !
Ich blieb stehen und erkundete die Lage: Tatsächlich stand ein Stück Rotwild Rechts in der Böschung der Forststraße und blickte hangabwärts. Der Gedanke:" Kahlwild- Alttier und das Kalb steht bestimmt tiefer im Hang.."
Mittlerweile hatte ich mein Fernglas aus dem Rucksack geholt, als das Stück langsam die Böschung aus meinem Blick entschwand. Langsam ging ich weiter die Forststraße entlang. Die Digitalkamera im Anschlag.
Als ich dann an der Stelle ankam, an dem vorher das Rotwild gestanden hatte, richtete ich mich auf und lugte über die Böschung. Da standen sie noch: Drei Stücke Kahlwild. Sofort schoss ich leise ein Foto.
Das Rotwild störte sich nicht an mir und zog langsam parallel zum Hang weiter.
Welch ein Geschenk an einem wunderbaren Morgen in den Bergen.
Ich wartete ein wenig, bis das Rotwild völlig weg gezogen war und setzte dann voller Lebensfreude und Dankbarkeit über den Anblick meine Wanderung fort.

 

 

                                                                                               Bericht und Fotos: Andreas Haag aus Deutschland

 

 

 

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