BERICHT 78: Ein rechter Abschuss

Einen Jungjäger zu einem Abschuss zu begleiten ist für mich immer ein besonderes Erlebnis.

Auch dieses Jahr im Frühjahr hat mich ein Jungjäger aus unserem Revier gebeten ihn in seinem ersten Jagdjahr zu begleiten. Gerne habe ich mich Seiner angenommen und so haben wir bereits im Frühjahr einige Reviergänge unternommen um Reviereinrichtungen wie Hochsitze, Salzlecken und dergleichen kennen zu lernen. Fleißig hat sich Matthias um einen guten Start bemüht und so konnte er im Juli bereits 2 Füchse erlegen. Kurze Zeit später konnte er dann seinen ersten Schalenwildabschuss tätigen. Einen schwachen C-Hirsch.

Am 20. Oktober, früh morgens, sind wir erneut zu einem Pirschgang aufgebrochen. Es hatte über Nacht ein wenig geschneit und der „Neue“ ließ mich auf einen guten Anblick hoffen.

Wir pirschten zu einem Bodensitz, den wir im Sommer gemeinsam errichtet hatten und setzten uns im Morgengrauen auf ein Stück Kahlwild an.

Der Tag verdrängte so langsam die Nacht, als wir ein Stück Rotwild im Kahlschlag gegenüber ausmachen konnten. Ein Alttier äste sehr eifrig zwischen den herumliegenden Ästen. Die Lichtverhältnisse waren noch nicht ausreichend für ein genaues Ansprechen, doch der auffallend lange Äser und der etwas knochige Körperbau ließen eindeutig auf ein altes Tier schließen. Abwarten! Als es endlich richtig Tag geworden war und das Tier sichtlich etwas unruhiger und vorsichtiger wurde konnte ich durch mein Spektiv am Spiegel und über die Hinterläufe eine schwarze, klumpige Verfärbung erkennen. Ein zweiter Blick bestätigte meine Vermutung: Durchfall! Zudem war das Tier nicht führend und unsere Entscheidung stand schnell fest: Schießen!! Matthias hatte sich in der Zwischenzeit schon für einen eventuellen Schuss bereit gemacht und als sich das Tier abdrehte und „Breit“ stand brach der Schuss. Gut auf das Blatt getroffen brach das Stück im Feuer und blieb einige Meter unter dem Anschuss liegen.

„Weidmannsheil“! Leise klopfte ich Matthias auf die Schulter.

Nach einer etwas längeren Wartezeit gingen wir zum Stück. Etwas nervös und angespannt, wie immer wenn man ein Alttier erlegt, gingen mir auf dem Weg zum Stück tausend Gedanken durch den Kopf. Habe ich wohl richtig angesprochen? Habe ich nicht doch ein vermeintliches  Gesäuge übersehen?  Noch einmal ging ich in Gedanken das Geschehene durch.

Am Stück angekommen, wurde ich jedoch von meinen Gedanken befreit. Vor uns lag ein sehr altes, stark abgekommenes, nicht führendes Alttier mit starkem Durchfall.

Ein guter, weidgerechter Abschuss. Ich  freute mich für Matthias der, sehr stolz auf seinen Abschuss, mit Freude seinen Erlegerbruch entgegen nehmen konnte.

Nach der roten Arbeit verweilten wir noch kurz am Stück und anschließend begannen wir mit der Bergung. Voller Stolz konnte Matthias unserem Revierleiter von seinem weidgerechten Abschuss berichten.

 

Weidmannsheil, Matthias

 

 

                                                                                        Bericht und Fotos: Armin Raffeiner, Jagdrevier Latsch

 

 

 

nach oben