BERICHT 67: Hirschjagd

Nach 2 Jahren Pause war mein Vater heuer wieder auf den Trophäenhirsch zugeteilt und so waren wir bereits einige Male im Revier unterwegs um Ausschau nach einem passenden Hirschen zu halten. Wir hatten meist reichlich Anblick, ein passender Hirsch war aber nie dabei oder es war unmöglich an den Hirsch heranzukommen. So waren wir für Samstag, 24. September Nachmittag mit unserem Jagdkollegen Herbert verabredet, der heuer bereits seinen Hirsch erlegt hatte, um gemeinsam ein hoffentlich erfolgreiches Jagdwochenende auf einer Hirtenhütte in „Gadria“ zu verbringen. Wir starteten gegen 15.30 Uhr und kamen gegen 16.30 Uhr auf der Hütte an, zuerst verstauten wir unseren Proviant und unsere Schlafsäcke und dann griffen wir sofort zu unseren Ferngläsern. Die Brunft war bereits voll im Gange und man konnte mehrere Hirsche bestätigen, jedoch ließ sich vorerst keiner blicken. Nach kurzer Zeit sahen wir einige Stücke Kahlwild an dem Ort austreten, den wir uns eigentlich für Sonntagmorgen gedacht hatten, denn dort ziehen die Hirsche in der Früh meistens zurück in ihre Einstände und somit rechneten wir uns doch einiges aus. Alle drei waren wir etwas überrascht, berieten uns kurz und waren alle der gleichen Meinung: Wo jetzt Kahlwild steht, kann der Hirsch nicht weit sein. Wir packten das nötigste zusammen und pirschten eine knappe halbe Stunde weiter und legten uns oberhalb eines Felsens nieder und suchten das unter uns liegende Gebiet nach dem Kahlwild ab. Da die Luft noch Bergwärts zog befanden wir uns in einer guten Position. Unweit von uns hörten wir ständig einen Hirsch röhren, so nahe das man ihn hinter jedem Baum vermutete. Da die Luft wie bereits gesagt Bergwärts zog, konnte man den Hirsch je nach Wind sogar riechen. Ihr könnt euch sicherlich vorstellen wie heftig das Jagdfieber in uns war. Immer und immer wieder röhrte der Hirsch und es war kaum zu glauben dass wir ihn nie zu Gesicht bekamen. Nach einer guten Stunde zog plötzlich ein Stück Kahlwild über eine kleine Schneise, dicht dahinter sahen wir den Hirsch. Da aber alles so schnell ging hatte mein Vater keine Möglichkeit einen Schuss abzugeben. Jetzt wussten wir wenigsten wo der Hirsch sich befand und so ließen wir die kleine Baumgruppe in der sich die 2 Stücke befanden nicht mehr aus den Augen. Es wird wohl gute 10 Minuten gedauert haben, die die Stücke in dem Jungwuchs verbrachten, der Hirsch röhrte ständig und es war ein traumhaftes Erlebnis, den Hirsch aus nächster Nähe zu hören und zu beobachten. Zwischenzeitlich hatten wir alles besprochen, sollte das Tier an der erhofften Stelle aus dem Jungwuchs austreten, so wird der Hirsch nicht lange auf sich warten lassen. Und wie aus dem Nichts stand das Tier plötzlich in einer kleinen Lichtung und dahinter kam der Hirsch, das Tier war bereits wieder im Jungwuchs verschwunden, als auch der Hirsch wider abdrehen wollte: in dem Moment brach der Schuss, der Hirsch zeichnete und verschwand wider im Jungwuchs. Getroffen hatte mein Vater, aber da der Hirsch bereits leicht im Weiterziehen war, vermuteten wir keinen guten Schuss. Nach wenigen Minuten packten wir unser Zeug zusammen und pirschten langsam Richtung Anschuss. Als wir nur mehr wenige Meter entfernt waren,

hörte man plötzlich einige Äste brechen, was nichts Gutes vermuten ließ. Keine 5 Meter weiter stand wie aus dem Nichtsder Hirsch knappe 30 Meter vor uns. Schnell brachte mein Vater das Gewehr in Anschlag und konnte so den Fangschuss abgeben, welcher den Hirsch verenden ließ. Mit großer Erleichterung näherten wir uns dem Hirsch, dort angekommen wechselte die Anspannung in Freude, denn es lag ein recht stattlicher 10 Ender vor uns. Nach einem herzlichen Weidmannsheil begutachteten wir den Hirsch genauer. Der erste Schuss saß wie vermutete etwas weit hinten - der Hirsch wäre aber sicherlich bald verendet, hätten wir die normale viertel Stunde abgewartet ehe wir zum Anschuss gingen. Nach der roten Arbeit kehrten wir glücklich zurück zur Hütte, stärkten uns dort mit einer guten Marende und einem guten Bier und legten uns dann müde ins Bett. Am nächsten Morgen kamen dann zwei weitere Kollegen um uns bei der Bergung zu helfen, welche wir mit vereinten Kräften bald geschafft hatten. Anschließend brachten wir den Hirsch in die Kühlzelle und ließen den Tag gemütlich bei einigen Bierchen ausklingen.

 

Auf diesem Wege noch einmal ein herzliches Vergelt`s Gott an unsere Helfer und meinem Vater ein herzliches Weidmannsheil.

 

                                                                                                Bericht und Fotos: Martin Höllrigl - Revier Schlanders 

 

 

 

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