BERICHT 43: Rehbockjagd mit meinem Sohnemann

Bereits Anfang Juli habe ich mit meinem Sohnemann im Hochwald einen Bodensitz errichtet so eine Art Schirm. Dort hielt sich in der Regel das Wild gerne auf, bevor es in Wiesen und Lichtungen einwechselt, oder morgens wieder die Einstände aufsucht. Auch in der Blattzeit steht da gerne der Bock mit der Geiß oder sucht nach ihr. Tobias der kleine Jäger konnte es nun schon nicht mehr erwarten mich am 1. August zu begleiten. Jeden Tag fragte er nach wie lange es noch dauern würde und wie oft er noch zu Bett müsse, bis es endlich los ginge. Der Tag nahte und auch ich spürte die Aufregung. Als es dann soweit war weckte ich den Jungen um 4 Uhr morgens und wir brachen auf ins Revier. Der Rucksack war voll gefüllt mit Broten und leckeren Sachen denn wir hatten ja vor länger zu bleiben. Tobias hatte noch nicht so richtig seinen Allerwärtesten auf das Brett am Sitz gepflanzt, als er bereits wieder schnarchte. Es war noch dunkel und ich ließ ihn an meine Seite kuscheln bis es so richtig hell wurde. Leider hatten wir keinen Anblick und auch das „Fiepen“ brachte keinen Erfolg. Kurz vor Mittag wechselten wir die Örtlichkeit und versuchten erneut unser Glück mit dem Mundblatter im hohen Wald. Bereits nach einigen Tönen sprang ein Bock auf uns zu.  Bis auf 5 Meter näherte sich der Sechser und dem kleinen Mann vor mir war nicht mehr ganz geheuer. Immer stärker drückte sich Tobias an mich und seine Augen wurden immer größer. Leider war es nur ein junger Bock und wir ließen ihn ziehen.

Am Abend viel Tobias todmüde ins Bett und ich zog alleine los. Doch außer ein paar Gämsen bekam ich keinen Anblick. Am nächsten Morgen versuchte ich mein Glück erst mal in einer kleinen Waldwiese. Ich wollte im dunklen den Baumsitz beziehen als ich bereits das eifrige Treiben zweier Rehe vernahm. Langsam schlich ich mich an den Wiesenrand und blieb an einem Baum stehen. Es war bereits Schusszeit als Geiß und Bock immer wieder nur einige Meter vor mir über die Wiese fegten. Der Leuchtpunkt in meinem Absehen war an, und ab und zu fuhr ich sogar mit. Das schießen hätte leicht funktioniert aber ich konnte immer noch nicht erkennen um welchen Bock es sich hantelte. Als es dann dämmerte waren beide im Wald verschwunden und ich schmiedete bereits Pläne wie ich ihnen nachstellen könnte. Als es hell wurde schulterte ich den Rucksack und wollte aufbrechen. Zuerst versuchte ich aber noch den Klageruf des Kitzes nachzuahmen. Nur Sekunden später stand die Ricke mitten in der hellen Wiese und der brave Bock dahinter. Guter Sechser und auch das Alter dürfte passen. Kurz darauf riss die Kugel den Bock zu Boden. „Tut mir leid“, sagte ich noch leise zu der Geiß, welche am Wiesenrand stehen blieb, „du musst dir nun einen andern Liebhaber suchen“ bevor ich meine Beute in Besitz nahm.

 

                                                                                                     Bericht und Fotos: Christian Lindner, Revier Montan 

 

 

 

 

 

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