BERICHT 33: ZWEI SÜDTIROLER IN OBERÖSTERREICH

 

 

Letzten September war ich bereits zum zweiten Mal vom Walter zur Jagd nach Südtirol eingeladen worden. Deshalb hab ich mich mit meinem Revierleiter Hans abgesprochen wie es den wäre eine Gegeneinladung zu organisieren, Hans und dessen Bruder Willi waren sofort einverstanden und so stand einer Jagdeinladung nicht mehr im Wege.

Schnell war ein passender Termin gefunden, auch Walter war begeistert von meinem Vorhaben. Ein Gedanke ließ mich aber nicht los, wenn würde Walter zur Jagd mitnehmen?

Allein würde er die Reise bestimmt nicht antreten, und ich hatte dann auch eine Vermutung mit der ich dann auch richtig lag. Etwa drei Wochen vor dem Jagdtermin schrieb mich Walter an er würde den Lindner Christian zum Jagen nach Oberösterreich mitnehmen und ob es möglich sei das er auf Fuchs oder Schmalreh jagen könnte. Nachdem ich mit Hans Rücksprache gehalten hatte meinte der das wir auch für Christian einen passenden Bock finden würden.

So stand dem Treffen mit den zwei Südtirolern nichts mehr im Wege. Am zweiten Juliwochenende war es dann soweit als Walter und Christian am Freitag gegen 14:00 Uhr bei mir zu Hause eintrafen.

Wie Christian schon berichtete gab es als Begrüßungstrunk für die Beiden nur Wasser um die Konzentration für einen sicheren Büchsenschuss beim abendlichen Ansitz nicht zu beeinträchtigen. Den Verlauf des Nachmittags hat ja Christian in seiner Erzählung bereits erwähnt. Der abendliche Pirschgang begann für Walter und mich so gegen 18:15 und führte uns zu einer neu aufgestellten Kanzel an einer wuchtigen Eiche. Christian und Willi machten sich auf den Weg zur Jagdhütte um dort ihr Glück zu versuchen.

Mit einem etwas mulmigen Gefühl baumte ich auf, aber trotzdem in der Hoffnung das der Bock den ich jetzt drei Tage nicht in Anblick hatte  heute wenn Besuch da ist ausziehen würde.

In der Kanzel eingerichtet war Walter die Ruhe selbst nur ich strich mir immer wieder nervös und unruhig über meinen Bart aber irgend wie doch mit dem Gefühl das es heute beim ersten Pirschgang passen würde.

Beim linken Kanzelfenster hinaus schauend sahen wir gegen halb acht eine Altgais den steilen Hang hinauf äsend die sonst immer an der Vorderseite der Kanzel auftauchte. Franz auf dessen Grund wir zur Jagd waren hatte ich gebeten einen Teil der Wiese erst nach unserem Jagdwochenende zu mähen um Äsung für den vermeintlichen Bock zu haben, ihm ein Dankeschön für sein Verständnis.

Hinter einer Reihe von Obstbäumen zu unserer rechten Seite die teilweise mit Sträuchern verwachsen waren befand sich eine Viehweide und wie sollte es anders sein war auch das Weidevieh in diesem Bereich. Walter und ich unterhielten uns über dieses und jenes während die Rinder in einen anderen Teil der Weide zogen und in mir wieder Optimismus wuchs.

Seine 6,5 x 68 hatte Walter auf einer Auflage aus Reissäckchen bereitgelegt um im Falle das uns der Bock den Gefallen tut und auszieht gerüstet zu sein. Die Altgais auf der linken Seite war mittlerweile wieder eingezogen und wir konzentrierten uns jetzt auf das vordere Kanzelfenster. Um etwa 20 Minuten nach Acht stand er plötzlich wie aus dem Nichts da, auf ca. 80m Entfernung machte er sich über das noch stehen gelassene Grün her. Ich stupste Walter leicht mit meinen Ellbogen an und sagte ihm „der isch es“. Meine Nervosität ihn nicht zu kriegen wandelte sich augenblicklich in Jagdfieber, mehr als ich jemals hatte wenn ich selbst an der Büchse saß. Gelassen nahm Walter die Büchse und den Bock ins Absehen während ich das ganze Geschehen durch mein Glas beobachtete.

Die 6,5 x 68 tat ihre Arbeit und der Bock verendete am Anschuss, ich freute mich mit Walter und wünschte ihm ein von Herzen kommendes WAIDMANN´S HEIL. Ich war erleichtert, der Walter glücklich, das alles  beim ersten Pirschgang so reibungslos abgelaufen ist.

Umgehend haben wir Revierleiter Hans per Handy über unseren Erfolg in Kenntnis gesetzt. Jetzt hielt uns nichts mehr auf der Kanzel, wir packten unsere Rucksäcke und Büchsen, baumten ab und begaben uns zum Anschuss um den Bock in Besitz zu nehmen. Der letzte Bissen und die Beutebrüche für uns beide kamen von jener Eiche von der aus Walter den Bock erlegt hatte.

Zwischenzeitlich war auch Revierleiter Hans und dessen Tochter Regina - ebenfalls Jägerin – eingetroffen um uns ein freudiges Waidmann´s Heil zu wünschen.

Nach der roten Arbeit waren wir wieder froh am Hof von Hans zu sein den die Hitze in der Kanzel hat uns beide ziemlich ausgetrocknet. Beim Todtrinken und einer hervorragenden Marende vor dem gemütlichen Teil des Abends kamen wir wieder zu Kräften.

Willi und Christian hatten bei ihrem ersten Pirschgang kein Glück freuten sich aber dennoch mit uns. Das anschließende Beisammen sein mit unseren Familien dauerte dann etwas länger als ich es gewohnt war. Das Aufstehen am Morgen fiel dann so manchen etwas schwer weshalb das Frühstück von vornherein etwas später geplant war.

Um neun Uhr saßen aber alle wieder gut gelaunt bei Tisch um ein reichhaltiges Frühstück zu genießen. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an unsere Frauen  die uns alle Wünsche von den Augen abgelesen und verwöhnt haben.

Mittags stärken wir uns wieder bei einem reichhaltigen Menü im Gasthaus Derfler wo wir ein paar gemütliche Stunden mit Erzählungen vom Tag vorher verbrachten.

 

Gut gelaunt trafen wir uns abends zum nächsten Pirschgang um auch Christian zum Erfolg zu bringen. Willi und Hans hatten dafür einen passenden Ansitz in einer sehr steilen Wiese ausgesucht in dem ein vielversprechender Bock wechselte. Walter und ich machten uns ebenfalls auf den Weg, ganz zwanglos bezogen wir einen geschlossenen Bodensitz von dem aus ich den ersten Jungfuchs im heurigen Jahr erlegte. Unsere Aufgabe war es einen ungeraden Sechser zu bestätigen auf den sie Sonntag früh jagen wollten, sollte es an diesem Abend nicht klappen. Gegen 20:45 Uhr vernahm Walter einen dumpfen Büchsenknall den ich überhört hatte und wir machten uns auf den Weg zum Hof. Dort angekommen wurde uns der Abschuss bestätigt.

Während wir auf Willi und Christian warteten die auch die rote Arbeit am Anschuss erledigten genehmigten Walter und ich ein Bierchen.

Wer die „Linde“ kennt,  weiß mit welch einem Smiley im Gesicht er  zurückkam, seine Schreien vernahmen wir schon während er noch 50 Meter vom Hof entfernt zu uns kam, auch Willi war erleichtert und froh, dass es geklappt hat.

 

Ein herzliches Waidmann´s Heil von uns allen war natürlich selbstverständlich und so stand der anschließenden Grillparty nicht mehr im Wege.

Ich bin überzeugt das auch an diesem Abend keiner hungrig oder durstig den Tisch verlassen hat, weil auch dieser Abend wieder bis zum frühen Morgen dauerte.

Beim Frühstück am Vormittag kamen alle wieder zu Kräften weil´s diesmal wirklich nur Orangensaft und Wasser gab, der Walter musste ja schließlich den Lindemann gut nach Hause bringen.  Nachdem sich Walter und Christian am Frühstückstisch gestärkt und das Gepäck verstaut hatten gab es eine ganz herzliche und emotionale Verabschiedung.

 

Ich hoffe sie nehmen bleibende Eindrücke mit nach Südtirol, ich jedenfalls hab mich gefreut das dieses Treffen mit Walter und Christian ein wie ich glaube Erfolg geworden ist und noch dazu beide ein Waidmann´s Heil hatten.

 

Möchte auf diesem Weg auch noch einmal dem Hans und Willi für die kostenlose Übernachtungsmöglichkeit, der gesamte Verpflegung samt Grillspezialitäten und Pirschführung ein herzliches Waidmann´s Dank aussprechen. 

 

 

 

SIEHE DAS FOTOARCHIV

 

Waidmann´s Heil  

 

 Bericht und Fotos: Hermann Großalber  

                                                                                                        

 

                                                                                                                    

 

 

 

nach oben