BERICHT 24: Der Jährlingsbock vom Feuersteig

Wie jedes Jahr geht bei uns im Revier am 15 Juni der Jährlingsbock auf. Und da ich ihn letztes Jahr zum letzen mal vor dem Trophäenbock in meiner Jagdkarte hatte, machte ich mich schon Anfang Mai auf die Suche nach einem passenden Bock.

Die meisten Böcke die ich jedoch sah waren mir zu gut, da Gabler oder sogar ein ungerader Sechserbock. Also was tun? Dann ein paar Tage bevor der Bock aufging kam ich gegen zehn Uhr Vormittags von einem Jagdgang zurück und fuhr Gedankenversunken an der Tankstelle nicht unweit vom Dorf vorbei, da sah ich im Vorbeifahren zwei rote Flecken oberhalb vom Rettnbocher Raut. Bei der nächsten Abzweigung in die Obstwiesen fuhr ich aus und warf den Rucksack mitsamt Spektiv aufs Autodach. Ich staunte nicht schlecht als ich die zwei Rehe ansprach. Es waren zwei Jährlingsböcke, einer hatte schon eine kleine Gabel, aber der andere hatte nur zwei kleine Spieße die sogar schon verputzt waren. Das ist er dachte ich zufrieden und fuhr heim zur Arbeit .

Die Tage danach konnte ich „ meinen“ c-Bock immer wieder bestätigen. Aber wie es halt meistens zutrifft, war der Bock am ersten Jagdtag verschwunden, und auch an den darauf folgenden Ansitzen war vom Bock nichts zu sehen. Ich hatte noch 2 Tage bevor ich für eine Woche mit Frau und Kind ans Meer fahren sollte, mir ging langsam die Zeit aus denn meine Jagdkameraden waren schon fleißig und es war zu erwarten das der Abschussplan erfüllt sein würde bis ich vom“ ach so schönen“ Meer zurück wäre. Einen Anlauf wollte ich noch machen, und ließ mich um zwei Uhr Nachmittags von meiner Frau nach Vetzan bringen um von da aus zu Fuß über den „Feuersteig“ der etwa 50 Meter oberhalb vom Rettnbocher Raut verläuft, nach Schlanders zu Jagern.

Es war ein windiger Nachmittag und wie ich so dem Steig entlangpirschte machte ich mir eigentlich keine große Hoffnung überhaupt ein Reh anzutreffen, geschweige denn den Jährlingsbock zu finden

Etwa 50 Meter vor dem Fuchstal kamen mir zwei Touristen entgegen  und ich unterhielt mich mit Ihnen, da Sie wissen wollten was ich denn schießen wolle.

Ich verabschiedete mich und ging etwa 30 Meter weiter da blieb ich wie vom Blitz getroffen stehen und konnte meinen Augen nicht glauben. 100 Meter unter mir im Raut stand ein Reh und zupfte an einer Akatienstaude.

Langsam nahm ich meinen Habicht vor die Augen, und tatsächlich es war der Gesuchte Bock.

Dann musste alles sehr schnell gehen, denn 200 Meter hinter dem Bock kamen schon wieder drei Frauen mit Walkingstöcken daher und der Bock wurde unruhig.

Rucksack auf den Boden, die 243er in Anschlag und schon war der Schuß draußen .

Der Bock brach im Feuer zusammen und blieb liegen.

 Jetzt schnell zusammenpacken, und schon stand ich mit noch zittriger Hand vor den Walkerinnen, die aber anscheinend nichts mitbekommen hatten.

Ich gab dem Bock den letzten Bissen und trug ihn dann voller Stolz im Rucksack bis zu unserer Jagdzelle wo auch schon zwei Jagdkameraden auf mich warteten.

Der Bock wurde dann natürlich anständig „Verblasen“ und einen Tag nachher konnte ich mit ruhigem Gewissen ans Meer fahren.

 

Waidmannsheil

                                                                                   Bericht und Fotos: Stephan Pfitscher, Revier Schlanders

 

 

 

nach oben