BERICHT 109: Spielhahnjagd im Lärchenwald

Der 15. Oktober war schon wieder da, und mit ihm der Herbst mit seinen wunderschönen Farben und den ersten Eiskristallen der Morgenreife. Ich hatte noch die balzenden Spielhahnen im Kopf, welche ich im Mai bei der alljährlichen Zählung beobachten konnte. Würde etwa heute einer dieser Hähne meinen Weg kreuzen? Der Aufstieg im Finsteren ist schnell hinter mir, die kleine Fichte im Lärchenwald, welche mir schon seit einigen Jahren Deckung bei der Spielhahnjagd gewährt, ist bald erreicht. Immer ein tolles Gefühl, im Schutze dieser kleinen Fichte im „Weisgroubn“ anzusitzen. Und dann noch im Finsteren den Geräuschen der Natur zu lauschen, das versetzt mich immer wieder in ein unbeschreibliches Gefühl, es gibt nichts spannenderes! Aber es bleibt heute auch bei Geräuschen, der Tag ist schon lange erwacht, aber von Spielhahnen keine Spur. Auch kein Kullern und Pfeifen ist zu hören. 

So beschließe ich, mit dem Schrotgewehr bei Hand den Lärchenwald bergwärts zu durchpirschen. Nach einigen hundert Metern – das pirschen in den Almrosen verläuft nicht ganz geräuschlos – höre ich plötzlich ein Flattern in einer kleinen Latschengruppe neben mir: ein Hahn muss eingeflogen sein. Ganz kurz kann ich, in ca. 20 Meter Entfernung, etwas schwarzes zwischen den Latschen und Almrosen erkennen, aber mehr auch nicht. Eines war inzwischen sicher: ein Hahn war es, keine Henne. An einen Schuss aber war nicht zu denken. Die Waffe im Anschlag, stehe ich einige Minuten regungslos da, der Hahn muss sich doch bewegen! Aber nichts! Beide Arme schmerzen schon, und bevor die Krämpfe eintreten, nehme ich die Flinte herunter. Noch immer nichts. Wo ist er bloß?? Ich versuche also einige Schritte nach unten, um einen anderen Blickwinkel zu haben, und dabei flattert es schon wieder, der Hahn reitet ab und gelangt, von einer Lärche gedeckt, fast außer Reichweite. Doch dann entscheidet er sich, nach rechts abzudrehen und die Sicht zu ihm ist frei: Der Schuss bricht und ich erkenne, wie der Hahn die Schwingen ausbreitet und hinter einem Geländeeck verschwindet. Diesen Hahn finde ich nie mehr, schießt es mir durch den Kopf! Ich gebe eine neue Schrotpatrone in meine Selbstladeflinte und bewege mich langsam in Richtung Gelände, wo der Hahn hinter dem Eck verschwunden war. Nun stehe ich genau an dem Eck und unter mir breitet sich ein großes Latschenfeld aus: nichts, keine Federn, kein flattern. Alles ruhig, als wäre nichts geschehen. In Gedanken versuche ich mir auszumalen, wo der angeschossene Hahn denn mit ausgebreiteten Schwingen noch hingekommen sein könnte. Die Hoffnung auf ein Wiedersehen mit ihm schwindet aber immer mehr, als ich plötzlich in den Latschen, etwa 30 Meter unter mir, ein flattern höre und ein schwarzweißer Hahn aus den Latschen aufsteigt um abzureiten. Der Schuss bricht in Blitzesschnelle, den Hahn überschlägt es in der Luft und er verschwindet wieder in den Latschen, wobei aber noch ein paar weiße und schwarze Federn in der Luft schweben. 

Nur langsam kann ich das Geschehene verarbeiten, da sich doch alles in wenigen Sekunden abgespielt hat. Guter Schuss, denke ich, auch ein wenig Glück war wohl dabei. Des Jägers Glück ist eben ein Augenblick. Ich kämpfe mich also durch die Latschen, und da liegt er vor mir, auf Almrosen gebettet: ein prächtiger Spielhahn, mit langem Stoß, 4 breite „Krumpe“, feuerroten Balzrosen und blauschimmernden Brustfedern. Der Hl. Hubertus hat es wieder einmal gut gemeint mit mir, und mir wird klar, dass es Wahr sein muss: Der Mensch denkt, Gott lenkt!

                                                                                    Bericht und Fotos: Fabian FERRARI – Jagdrevier Innichen

 

 

 

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