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Der
15. Oktober war schon wieder da, und mit ihm
der Herbst mit seinen wunderschönen Farben
und den ersten Eiskristallen der Morgenreife.
Ich hatte noch die balzenden Spielhahnen im
Kopf, welche ich im Mai bei der
alljährlichen Zählung beobachten konnte.
Würde etwa heute einer dieser Hähne meinen
Weg kreuzen? Der Aufstieg im Finsteren ist
schnell hinter mir, die kleine Fichte im
Lärchenwald, welche mir schon seit einigen
Jahren Deckung bei der Spielhahnjagd
gewährt, ist bald erreicht. Immer ein tolles
Gefühl, im Schutze dieser kleinen Fichte im
„Weisgroubn“ anzusitzen. Und dann noch im
Finsteren den Geräuschen der Natur zu
lauschen, das versetzt mich immer wieder in
ein unbeschreibliches Gefühl, es gibt nichts
spannenderes! Aber es bleibt heute auch bei
Geräuschen, der Tag ist schon lange erwacht,
aber von Spielhahnen keine Spur. Auch kein
Kullern und Pfeifen ist zu hören.
So
beschließe ich, mit dem Schrotgewehr bei
Hand den Lärchenwald bergwärts zu
durchpirschen. Nach einigen hundert Metern –
das pirschen in den Almrosen verläuft nicht
ganz geräuschlos – höre ich plötzlich ein
Flattern in einer kleinen Latschengruppe
neben mir: ein Hahn muss eingeflogen sein.
Ganz kurz kann ich, in ca. 20 Meter
Entfernung, etwas schwarzes zwischen den
Latschen und Almrosen erkennen, aber mehr
auch nicht. Eines war inzwischen sicher: ein
Hahn war es, keine Henne. An einen Schuss
aber war nicht zu denken. Die Waffe im
Anschlag, stehe ich einige Minuten
regungslos da, der Hahn muss sich doch
bewegen! Aber nichts! Beide Arme schmerzen
schon, und bevor die Krämpfe eintreten,
nehme ich die Flinte herunter. Noch immer
nichts. Wo ist er bloß?? Ich versuche also
einige Schritte nach unten, um einen anderen
Blickwinkel zu haben, und dabei flattert es
schon wieder, der Hahn reitet ab und
gelangt, von einer Lärche gedeckt, fast
außer Reichweite. Doch dann entscheidet er
sich, nach rechts abzudrehen und die Sicht
zu ihm ist frei: Der Schuss bricht und ich
erkenne, wie der Hahn die Schwingen
ausbreitet und hinter einem Geländeeck
verschwindet. Diesen Hahn finde ich nie
mehr, schießt es mir durch den Kopf! Ich
gebe eine neue Schrotpatrone in meine
Selbstladeflinte und bewege mich langsam in
Richtung Gelände, wo der Hahn hinter dem Eck
verschwunden war. Nun stehe ich genau an dem
Eck und unter mir breitet sich ein großes
Latschenfeld aus:
nichts,
keine Federn, kein flattern. Alles ruhig,
als wäre nichts geschehen. In Gedanken
versuche ich mir auszumalen, wo der
angeschossene Hahn denn mit ausgebreiteten
Schwingen noch hingekommen sein könnte. Die
Hoffnung auf ein Wiedersehen mit ihm
schwindet aber immer mehr, als ich plötzlich
in den Latschen, etwa 30 Meter unter mir,
ein flattern höre und ein schwarzweißer Hahn
aus den Latschen aufsteigt um abzureiten.
Der Schuss bricht in Blitzesschnelle, den
Hahn überschlägt es in der Luft und er
verschwindet wieder in den Latschen, wobei
aber noch ein paar weiße und schwarze Federn
in der Luft schweben.
Nur langsam
kann ich das Geschehene verarbeiten, da sich
doch alles in wenigen Sekunden abgespielt
hat. Guter Schuss, denke ich, auch ein wenig
Glück war wohl dabei. Des Jägers Glück ist
eben ein Augenblick. Ich kämpfe mich also
durch die Latschen, und da liegt er vor mir,
auf Almrosen gebettet: ein prächtiger
Spielhahn, mit langem Stoß, 4 breite „Krumpe“,
feuerroten Balzrosen und blauschimmernden
Brustfedern. Der Hl. Hubertus hat es wieder
einmal gut gemeint mit mir, und mir wird
klar, dass es Wahr sein muss: Der Mensch
denkt, Gott lenkt!
Bericht und Fotos:
Fabian
FERRARI – Jagdrevier Innichen |