BERICHT 106: Riesenglück

Dies wollte am 24.09.11 aber nicht so recht stattfinden.

Morgen um  06.00 Uhr sass ich bereits auf dem Ansitzposten, allmählich erwachten ebenfalls die Singvögel um mich herum. Mit meinem Spiegel suchte ich den Hang nach Wild ab, hatte aber keinen Anblick. Als es vollends Hell war suchte ich mit blossen Augen nach einer Bewegung, mit dem Glas wurde dann ein vermeintliches Wild als erdorrtes Laub erkannt.

Wie hervorgezaubert stand plötzlich ein Stier im Gegenhang, gleich hatte ich meinen Weaterby im Anschlag. Der Hirsch zog langsam den Hang hoch, mein Abzugsarm hatte so keine stabile Unterlage mehr. Im Begriff, mit dem Ellbogen festen Wiederstand zu suchen, hatte ich im Eifer vergessen den Finger vom Abzug zu nehmen, durch die Bewegung im Arm musste ich wohl Druck auf die Abzugszunge ausgeübt haben. Die Explosion liess mein Herz fast still stehen, ungewollt hatte ich so den Schuss ausgelöst. Ich sah wie der Hirsch nieder ging sich einmal rollte, aber gleich wieder auf die Läufe kam und rechts über die Kuppe flüchtete.

Wie ein Anfänger durchfuhr es mich, hast das ganze Jahr eine Waffe in der Hand und dann passiert dir so was. Zu allem Übel musste die Kugel den Stier noch verletzt haben, ansonsten er sicher nicht gefallen wäre.

Langsam beruhigte ich mich wieder, schulterte die Büchse und machte mich auf zum Anschussort.

Auch nach gewissenhaftem absuchen konnte ich weder Schweiss noch andre Zeichen finden. So folgte ich dem Fluchtweg, wenige Meter hinter der Kuppe konnte ich Schweiss ausmachen. Nach etwa 10 Metern wieder ein Spritzer, mit einem Papiertaschentuch verbrach ich den Schweiss.

Nach kurzem Überlegen forderte ich ein Nachsuche Gespann beim Wildhüter an. Nach einer strengen Nachsuche von 4 Std mussten wir aber einsehen das der Hirsch wohl nicht stark verletzt war, zumal kein Wundbett gefunden wurde und der Schweiss nie mehr als Nadelkopf grosse Spritzer waren.

Am letzten Jagdtag der diesjährigen Hochjagd organisierte ein Teil der Jagdgruppe eine  Drückjagd, wie abgesprochen begannen die Kollegen um 07.45 Uhr durch den steilen Bergwald zu pirschen. Kurz vor 8.00 Uhr sah ich ein Rotwild im dichten Lärchenwald, mit dem Glas konnte ich ein Geweihträger erkennen, der Stier durchfuhr es mich und stellte fest das der Hirsch vorne Links lahmte. Zwei, dreimal verhoffte der Hirsch zog aber in meine Richtung, stand aber immer ungünstig zwischen den Lärchen. Wenig fehlte mehr und er würde austreten, zu meiner Verblüffung wendete Er und wollte wieder Wald aufwärts.

Da er schräg nach Oben zog, war er von den Stämmen immer verdeckt. Da der Stier verletzt war wollte ich ihn nicht ziehen lassen und liess fliegen, kurz sah ich noch das Geweih und meinte das Stück noch schlegeln zu hören. Dann war Stille.

Welch ein Glück freute ich mich, eine Woche später nochmals den Hirsch vor mir zu haben, den ich so kläglich verpasst hatte.

Leider musste ich nochmals das Nachsuche Gespann anfordern, diesmal aber war die Nachsuche von kurzer Dauer. Nach 10 Min. wurde der Hirsch nochmals hoch, wurde vom Hund gestellt und von einem platzierten Kollegen durch einen Trägerschuss aus der Nähe gestreckt.

 

Waidmannsdank dem Nachsuche Gespann und meinen Jagdkollegen.

 
 

                                                                                                                     Bericht und Fotos: Kari Schmid (CH)

 

 

 

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