BERICHT 101: Dezembergams bei Regen und Nebel 03. Dezember 2011

  

Tütü-Tütü: “Bisch pronto morgn?”

So lautete Norbert’s SMS, welcher mit mir am morgigen Tage auf Gamsjagd gehen wollte, einen Gamsbockabschuss hatte er noch zu tätigen.

Se isch Logisch! Holba 7a pa mir!

Also, Treffpunkt um 06:30 Uhr bei mir, einen schwarzen Kaffee und der Blick aus dem Fenster verheißt nichts gutes: Nebel und Regen, ein für den 3. Dezember wirklich nicht typisches Wetter! Auch der Amtsdirektor hat vor wenigen Tagen in der Dolomiten darüber berichtet, dass die heurige Wetterlage (Schneemangel) der Abschussplanerfüllung des Gamswildes einen Strich durch die Rechnung machen würde. Aber, so haben wir schon des Öfteren festgestellt, wenn die Aussichten am Morgen nicht die Besten sind, ist der Erfolg manchmal um so größer.

 

Die Fahrt ins Revier im morgengrauen endet fast im Straßengraben, da sich über Nacht Glatteis gebildet hat, welches völlig unsichtbar ist aber die Fahrbahn in eine Rutschbahn verwandelt hat. Mit Mühe und einigen Versuchen geht es dann doch im Schneckentempo weiter aufwärts und plötzlich huscht ein Fuchs über die Forststraße und verharrt gleich daneben in einer kleinen Wiese. Wir fahren langsam vorbei und der Fuchs starrt unserem Wagen hinterher, mein Kollege verlangsamt das Fahrzeug, ich steige dabei aus und lade die Bockbüchsflinte mit einer Schrotpatrone, der Fuchs hat inzwischen bemerkt, dass da etwas nicht stimmt, aber leider etwas zu spät: die Schrotgarbe trifft den flüchtigen Meister Reineke einige Meter vor dem schützenden Wald, er taumelt noch ein wenig, bevor er schließlich am Boden verendet. Als wir den Fuchs näher betrachten, können wir eine alte (Schuß?)Verletzung am Rücken feststellen: der Balg ist zerfressen und zersaust und darunter klafft eine tiefe eiternde Fleischwunde, welche schon teilweise verkrustet ist.

 

Weiter geht die Fahrt. Am Ende der Straße angekommen, packen wir unsere Sachen aus dem Kofferraum und pirschen langsam über den „Forstweg“, an deren Ende ein Hochsitz steht, welcher Ausblick in ein wunderschönes Gamsgebiet bietet, bestehend aus Latschenfelder, Schuttrinnen, Lärchenwälder und felsigem Gelände. Weiter hinauf wollten wir heute eigentlich, ins „Gamsgebirge“, aber der Hochnebel zwingt uns, die tieferen Lagen zu bejagen.. In diesem Gelände, welches wir nun einsehen, halten sich die Böcke in der Brunftzeit sehr gerne auf, aber nach 2 Stunden intensivem spähen mit dem Fernglas können wir nur kurz ein einziges Gamskitz in den Latschen bestätigen. Also entscheiden wir uns, abseits vom Weg weiter über sehr steiles und felsendurchsetztes Waldgelände zu pirschen, welches wegen der Steilheit sehr selten bejagt wird, in welchem sich aber sehr gerne Gämsen aufhalten. Ganz langsam bewegen wir uns quer durch den Steilwald, umgeworfene Baumstämme und Wurzeln müssen umgangen werden, aber da der Boden durchnässt ist, entsteht dabei kein Lärm. Dann plötzlich gibt es meinem Kollegen, welcher vor mir pirscht, einen Riss, er bleibt stehen und hebt das Fernglas an: weiter unten, ca. 100 Meter vor uns, äßt im Hochwald eine einzelne Gams, ist aber von Baumstämmen teilweise verdeckt. Nach einigen Minuten macht sie ein paar Schritte und steht nun frei, und wir können klar und deutlich Pinsel und Gamsbart erkennen: das ist „unser“ Bock! Mein Kollege hebt langsam sein Repetiergewehr, streicht es bei

einem Baumstamm an und schon bricht der Schuss und zerreist die Stille! Der Bock, von dem Kupfergeschoss getroffen, sinkt sofort zu Boden, schlägelt noch zweimal und bleibt dann regungslos liegen. Es kehrt wieder Ruhe in den Wald. Wir steigen also zum Anschuss ab, und vor uns liegt er: die Krickeln sind „nur“ Lauscherhoch, aber Pinsel und Gamsbart sind nicht stattlich. 4 Ringe zählen wir, und dabei bemerken wir, dass dem Bock das rechte Licht fehlt. Die Augenhöhle ist schon ausgetrocknet, weshalb wir vermuten, dass er sich die Verletzung bereits vor einigen Wochen zugeführt haben muss, wahrscheinlich beim „ranggeln“ mit einem Artgenossen. Nach der roten Arbeit geht es dann wieder retour zum Auto, wo es noch einen Fingerhut voll „Zirbila“ gibt, weil wir wegen dem Regen völlig durchnässt sind, und natürlich um auf das tolle Jagderlebnis anzustoßen!

 

Wer hätte sich das gedacht, dass uns bei diesem „Sauwetter“ zwei solche Hegeabschüsse gelingen würden? Aber, wie wir es eben schon mehrmals erlebt haben, sind schlechte Aussichten am frühen Morgen manchmal die besten Vorboten für erfreuliche Überraschungen tagsüber!

 

 

                                                                                       Bericht und Fotos: Fabian FERRARI – Jagdrevier Innichen

 

 

 

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