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Es
war ein Tag in der Hochbrunft der
Rothirsche, vor wenigen Tagen hat es noch
geschneit im Bergrevier auf 1.800 Metern.
Die Gedanken an die Pirsch vor zwei Tagen
mit Ulli, der Jagdkamerad, der dieses Jahr
bereits Weidmannsheil auf einen starken
Zehnender hatte, lagen wir im Sinn, als ich
noch bei Nacht den zuverlässigen Toyota in
Richtung Alm steuerte. Gerade diese Pirsch
im unwegsamen Gelände, hoch oben, wo die
Lärchen nur mehr verkrüppelt und neben den
Zirben und Latschen wachsen, auf einem
Stand, der das Revier unter uns wie eine
Arena für brunftige Rothirsche präsentierte,
ließ meine Jagdleidenschaft nach 5 Jahren
Zwangspause, wieder richtig aufflammen.
Ein gutes
Stück unterhalb der Alm, schon einige
Schritte vom Fahrzeug entfernt, vernahm
ich vom Berg auf der gegenüberliegenden
Seite des Tales, die Brunftschreie des
stolzen Hochwildes. In Gedanken an die
Geschehnisse der vergangenen Tage, stieg ich
der Lanzwiesenalm zu. Es schien alles ruhig
zu sein auf dieser Seite des Tales, wobei
ich doch reges Treiben erhofft hatte. Doch
plötzlich vernahm ich sie, ein Röhren
folgte dem anderen, sie waren also da, die
heimlichen und doch überaus lauten Gestalten
des Hochwaldes. Es war nur die Geländekuppe
die den Schall nicht zu mir dringen ließ.
Am Waldrand der Almwiese hielt ich inne und
genoss das Openair der Lust und der
Eifersucht. Das mehrstimmige Konzert, das
an Urgewalt und Intensität nicht zu
übertreffen war, wurde durch den Wiederhall
der nahen Felswände noch verstärkt. Ich
pirschte zur nahen Almhütte und legte mich
neben einer Bank und hinter den
Holzstangenzaun ins nasse, teils mit
Raureif bedeckte Gras. Bei jedem Schrei
reckte ich den Kopf und suchte mit dem
Fernglas am Almboden nach den dunklen
Schatten. Vage konnte ich an die 20 Stück
erkennen, aber nur durch die
Lautäusserungen
war es möglich die Hirsche von den Tieren zu
unterscheiden, so dunkel war es noch. Ich
zählte sechs verschiedene Stimmen , die sich
von verschiedenen Orten meldeten und um die
Gunst der Tiere buhlten. Einer war mir ins
Auge bzw. ins Ohr gestochen, er verfolgte
die anderen und kehrte zum Kahlwild zurück,
manchmal durchbrach auch das Krachen von
aneinanderschlagenden Stangen das jetzt
bereits vertraute Brunfttreiben. Dieser
musste es sein, der Herr im Haus, ich konnte
aber das Geweih, soviel und sooft ich mir
auch die Augen rieb, nicht erkennen, die
Phantasie spielt in solchen Momenten
eigenartige Streiche. Mal glaubt man einen
starken, endenfreudigen Hirsch mit langen
Stangen zu erkennen und im nächsten Moment
zweifelt man wieder daran. Jedenfalls wurde
es mir nicht langweilig während ich auf
Büchsenlicht wartete. Das Warten war
unerträglich, da es zugleich ein Bangen war,
dass sich das Rudel dem schützenden Wald
nähern, und sich dann ein leerer
Almboden vor mir ausbreiten könnte. Am
Horizont im Osten wurde es langsam heller,
dies hatte aber keinen Einfluss auf die
Lichtverhältnisse vor mir. Zugleich war auch
meine Armbanduhr ein ständiger Begleiter in
diesen paar so unendlich lang scheinenden
Minuten. Wann war nochmals Sonnenaufgang,
Zweifel erfassten mich und ich beschloss so
lange zuzuwarten bis ich einen waidgerechten
und sicheren Schuss abgeben konnte.
Abwechselnd beobachtete ich das
Rotweildrudel und meine Armbaduhr bis diese
6.15 Uhr anzeigte und ich mir des richtigen
Zeitpunktes sicher war. Der Platzhirsch
wechselte
nach links über die Wiese, äugte einem Stück
Kahlwild nach und verhoffte, mein Auge
verfolgte ihn bereits durch das Zielfernrohr
und das Fadenkreuz stand gut hinter dem
Blatt, noch ein Urschrei aus vollen Lungen
und er Schuss brach. Durch das Mündungsfeuer
war kein Schusszeichen erkennbar, ich sah
ihn nach links flüchten und hörte Äste
brechen, dann nur noch Stille. Meines
Schusses sicher schulterte ich Büchse und
Rucksack und begab mich zum Anschuss. Mit
meiner starken LED Stirnlampe suchte ich
nach Pirschzeichen, trotz der starken Lampe
fand ich nichts, rein gar nichts, kein
Tropfen Schweiss, kein Schnitthaar, nur
Eingriffe waren vorhanden, aber diese
waren so zahlreich, dass ich keinen dem
Beschossenen zuordnen konnte. Mich
befielen Zweifel, hatte ich doch vor zwei
Tagen bereits zwei Fehlschüsse angebracht.
Ich war auch nicht im Stande die
Fluchtfährte eindeutig zu lokalisieren, so
folgte ich der vermeintlichen Richtung und
suchte den Waldrand, wo Unmengen von Ästen
lagen ab, ohne Erfolg. Was blieb mir übrig
als wieder den Hundeführer zu kontaktieren
und mit Ihm die Nachsuche zu organisieren.
Als Hans, sein Schweisshund und ich nach
eineinhalb Stunden auf die Alm fuhren
hatte ich ein ganz schlechtes Gefühl,
einerseits die Gewissheit gut abgekommen zu
sein und trotzdem kein Pirschzeichen zu
finden, wühlten die Emotionen ordentlich
auf. Wir überquerten mit dem Fahrzeug die
vermeintliche Fluchtfährte und dabei suchte
ich die Wegböschung ab. Ja was liegt denn
da? Mitten im Freien, von der Sonne
beschienen, keine 20 mt. Vom Weg entfernt,
mitten im Reisig und 50 mt. näher als ich
angenommen hatte, lag ein guter mittelalter
Vierzehnender mit einem waidgerechten Schuss
hinters Blatt. Selten war ich so entspannt
und ruhig wie nach diesem Anblick.
Waidmannsheil
Bericht und Fotos:
Steurer
Georg – Revier Olang |